Donnerstag, 26. Mai 2016

04. November 2014 12:55 Uhr

Ulm

Und einer für den Weihnachtsmann

„Fürchtet euch (nicht)“ in der Podium-Bar ist eine unterhaltsame und gewitzte Abrechnung mit dem Fest der Feste. Bei der Uraufführung gibt es aber ein paar Wackler. Von Dagmar Hub

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Weihnachten macht durstig: Mietweihnachtsmann Carl Bröckle (Christian Streit, links) und Barkeeper Konrad Adamski (Maximilian Wigger-Suttner) in „Fürchtet euch (nicht)“.
Foto: Martin Kaufhold

Der Weihnachtsmann ist des Festes der Liebe überdrüssig. Natürlich nicht der „echte“, den es nicht gibt, sondern der völlig talentfreie Schauspieler von der Zeitarbeit, der als wandelnde Litfaßsäule im roten Mantel mit Rauschebart durch die Wohnzimmer zieht. Vor der neunten Bescherung braucht er einen Schnaps in einer Kneipe, um den Rest des Heiligen Abends durchzustehen – ehe er zur schwangeren Freundin darf. Weihnachtspathos und der Hass auf alle Gefühligkeit treffen in Michael Sommers „Fürchtet euch (nicht)“, das in der Podium-Bar des Theaters Ulm seine (um ein Jahr verschobene) Uraufführung erlebte, schonungslos aufeinander. Bei aller witzigen Ironie entsteht daraus subtil auch das Ringen zweier Männer um ihre religiösen Überzeugungen.

Was stinkt es diesem Mietweihnachtsmann (Christian Streit) Carl Bröckle, dass er nach den zwölf Regeln der Weihnachtsmannagentur bei jeder Bescherung Coca-Cola trinken und den Milka-Weihnachtsmann anbieten muss. Doch in der am Heiligen Abend geöffneten Bar, in die er bei Kälte und Ekelwetter schneit, will sich der frisch verlassene Barkeeper Konrad Adamski (Maximilian Wigger-Suttner) gerade erschießen.

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Zwei Weihnachtshasser, so scheint es auf den ersten Blick – aber der Kampf beider Männer um ihren Festesfrust lässt beide jeweils Teilstücke „ihres“ Weihnachtens verteidigen. Die staunenden Kinderaugen möchte der angeekelte Mietweihnachtsmann dann doch nicht missen, während der gallige Barkeeper Maria als anständige Frau gegen alle Weihnachtsmann-Spekulationen verteidigt, sie könnte Josef mit dem Engel betrogen haben.

Adamski interpretiert das Weihnachtsevangelium nach Lukas als Anhänger marxistisch-leninistischer Theorien auf das von römischen Imperialisten unterdrückte Prekariat vor 2000 Jahren hin. Sein rotbemäntelter Kontrahent dagegen ist von blanker historischer Ahnungslosigkeit und hält es für selbstverständlich, dass Maria und Josef in Josefs Heimatstadt geschätzt wurden. Ist doch klar, dass man zuhause geschätzt wird, oder? Ach, mit Steuerfestsetzung hatte die 150-Kilometer-Wanderung von Nazareth nach Bethlehem zu tun?

Michael Sommers Text geht das zum Familienstressfaktor und Riesenkommerz mutierte religiöse Fest Weihnachten voll Sprachwitz an. Intelligent flicht er zwei menschliche Schicksale am Rande des Festes der Liebe in den sentimentalisierten Kontext „Weihnachten“ ein – wobei es in der Podium-Bar in Martin Borowskis Inszenierung jede Menge zu lachen gibt.

Allerdings bleibt „Fürchtet euch (nicht)“ zu wünschen, dass Wigger-Suttner und Streit in den weiteren Aufführungen ihren Text ohne Hänger über die Bühne bringen. Unbedingt zu empfehlen ist die Lektüre des Programmheftes: Im Verhaltenskodex der Weihnachtsmannagentur und dem fiktiven Interview mit dem zum Santa Claus gewordenen Nikolaus im DHL-Konkurrenzdruck steckt ein echter Spaßfaktor!

(Nächste Aufführungen am 4., 19. und 27. November.)

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