40 Bewohner einer Unterkunft für Asylbewerber in Neu-Ulm verweigerten die Annahme der Essenspakete. Ihnen ist die Qualität der Lebensmittel zu schlecht.

Vier Tage lang haben die beiden Männer nur Reis gegessen. „Wir haben uns auf eine Mahlzeit pro Tag beschränkt“, sagen die Flüchtlinge aus Somalia, die seit rund einem Jahr in der Unterkunft für Asylbewerber in der Neu-Ulmer Eckstraße leben. Der Grund für ihre ungewöhnliche Diät ist, dass die beiden wie 38 andere Bewohner des Heims am vergangenen Donnerstag die Annahme der Essenspakete, die sie zwei Mal wöchentlich erhalten, verweigert haben. Mit der Aktion wollten die Flüchtlinge, die unter anderem aus Afghanistan, Nigeria oder Algerien stammen, auf die ihrer Meinung nach unzureichende Qualität der Lebensmittel hinweisen.
Das Gemüse sei selten frisch, manchmal müssen man es gar wegwerfen, weil es nicht mehr essbar sei, klagen die Männer. Auch das Hähnchenfleisch rieche teilweise schon verdorben. Neben der Qualität der Ware üben die Flüchtlinge aber auch Kritik am System der Essensausgabe. Vielen von ihnen wäre es lieber, wenn sie nicht ein fertiges Paket erhalten würden, sondern ihre Lebensmittel mit Essensmarken oder Gutscheinen selbst einkaufen könnten und dadurch mehr Wahlmöglichkeiten hätten. „In Ulm bekommen die Leute Coupons, mit denen sie sich in bestimmten Läden versorgen können“, erklärt Sigrun Grüninger von der Beratungsstelle für Asylbewerber der Diakonie. Auch die Asylbewerber und Flüchtlinge in den Gemeinschaftsunterkünften des Alb-Donau-Kreises in Langenau und Ehingen können ihre Lebensmittel und Hygieneartikel mittels Gutscheinen seit Anfang August selbst kaufen.
Dass der Blick auf die andere Donauseite zu Unzufriedenheit und Klagen führt, wundert Franz Feigl, der bei der Regierung von Schwaben für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig ist, nicht: „Das ist oft so in Grenzgebieten, wo die Leute die Systeme direkt vergleichen können.“ Problematisch sind in seinen Augen aber nicht die Essenspakete an sich, sondern die Tatsache, dass die Flüchtlinge teilweise über Monate oder gar Jahre in den Asylunterkünften ausharren müssen. Eigentlich sollten die Menschen nur kurze Zeit dort bleiben. Weil sich die Asylverfahren aber immer öfter in die Länge ziehen, verlängert sich auch der Aufenthalt der Asylbewerber. „Und wenn die dann nach drei Jahren immer noch das Selbe essen müssen, wird es schwierig.“
Obwohl es durchaus eine gewisse Auswahl gebe: Die Bewohner können sich zwischen Hähnchen, Pute, Fisch, Schwein, Lamm, Rind, Pizza oder vegetarischen Eintopf entscheiden. „Damit ist schon eine Abwechslung möglich, auch wenn man aus Glaubensgründen nicht alles isst“, sagt Feigl.
Dass eine Semmel mal recht trocken ist und ein Apfel oder eine Gurke mal eine Delle haben, könne vorkommen. „Bei der Menge kann das passieren.“ Verfault dürfe das Obst und Gemüse, mit dem eine Firma alle schwäbischen Flüchtlingsunterkünfte beliefert, aber nicht sein. „Wenn das vorkommt, müssen die Leute uns Bescheid sagen, dann reklamieren wir natürlich sofort und lassen die Ware zurückgehen“, sagt Feigl. „Da sind wir rigoros. Das tut uns ja nicht weh, denn dafür muss der Lieferant gerade stehen.“
Bei der gestrigen Lebensmittelausgabe haben laut Feigl wieder alle Berechtigten ihre Pakete abgeholt. Allerdings haben die Männer dem Leiter der Unterkunft einen Brief übergeben, in dem sie vermutlich ihre Kritik noch einmal darlegen. „Da der Brief in schlechtem Englisch und teils auf Arabisch verfasst ist, müssen wir das aber erst noch ausdeutschen“, sagt Feigl. Erst dann könne man entsprechende Maßnahmen in die Wege leiten.
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