Donnerstag, 27. April 2017

16. Februar 2017 18:01 Uhr

Memmingen/Senden

Verfahren eingestellt: Messerstiche in Senden waren Notwehr

Ein wegen versuchten Totschlags angeklagter Mann aus Senden verlässt den Gerichtssaal in Memmingen als freier Mann. Wie es zu dieser überraschenden Wende kam.

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Das hatten viele so nicht erwartet: Das Verfahren um den versuchten Totschlag in einer Sendener Kneipe wurde gestern am zweiten Verhandlungstag eingestellt.
Foto: Alexander Kaya, Symbolbild

Das hatten mehrere Prozess-Beobachter so wohl nicht erwartet: Das Verfahren um den versuchten Totschlag in einer Sendener Kneipe wurde gestern am zweiten Verhandlungstag eingestellt. Der 32-Jährige, der sich deswegen vor dem Landgericht in Memmingen verantworten musste, konnte den Saal als freier Mann verlassen. Zuvor hatte er seit der Tatnacht Anfang Juni 2016 in Untersuchungshaft gesessen.

Wie berichtet, wurde dem 32-Jährigen vorgeworfen, einen 25-Jährigen mit 13 Messerstrichen derart schwer verletzt zu haben, dass dieser nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte. Der Mann habe dadurch zumindest hingenommen, den anderen tödlich zu verletzen, hieß es. Der Versuch, den Tathergang einwandfrei zu klären, gelang bei der Beweisaufnahme vor Gericht jedoch nicht.

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Gutachter hält Notwehr für plausibel

Der 32-Jährige sagte von Beginn der Verhandlung an, dass er aus Notwehr gehandelt habe. Der 25-Jährige habe ihn geschlagen und er habe sich nicht anders zu helfen gewusst, als zuzustechen. Dem konnten die zahlreich vorgeladenen Zeugen zumindest nicht widersprechen. Mehrere sagten aus, dass der 25-Jährige zuerst zugeschlagen habe. Einige Zeugen sagten zudem, dass niemand die Kontrahenten getrennt habe. Deswegen ging das Gericht am Ende zugunsten des Angeklagten davon aus, dass er ohne Unterbrechung angegriffen wurde.

Diese Beobachtungen untermauerte ein medizinischer Gutachter in seinen Untersuchungen zu den Verletzungen, die der Angeklagte damals erlitten hatte – etwa Rippenbrüche. Dafür reichten Faustschläge nicht aus, dafür müssten es schon Tritte sein. Durch die Brüche sei laut Rechtssprechung eine Notwehr – auch mithilfe eines Messers – gedeckt, hieß es.

Beim Geschädigten stellte der Gutachter sieben Stichverletzungen fest, die anderen seien durch die Kleidung abgehalten worden. Dennoch sei das Leben des 25-Jährigen nur durch die Notoperation gerettet worden, betonte der Gutachter. Anhand der Verletzungen beider Beteiligter müsse es ein „dynamisches Gerangel“ gewesen sein.

Richter sieht Schuld des Angeklagten als gering an

Vorsitzender Richter Jürgen Hasler kündigte am zweiten Verhandlungstag schon relativ früh in einer Einschätzung an, dass das Gericht von Notwehr ausgehe. Der Angeklagte habe sich gegen den Angriff des 25-Jährigen gewehrt. Der Jüngere sei lebensbedrohlich verletzt worden, jedoch habe er selbst auch den Angeklagten verletzt. Für Richter Hasler war die Tat am Ende eine gefährliche Körperverletzung, bei der er die Schuld des Angeklagten jedoch als gering ansah. Deswegen regte er an, das Verfahren einzustellen. Staatsanwältin Susanne Fritzsche und der Verteidiger des Angeklagten, Uwe Böhm, stimmten dem zu.

So auch die Nebenklage-Anwältin Ulrike Mangold, die „niemandem die Zukunft verbauen“ wollte. Fritzsche sagte nach dem Prozess, dass selten ein Verfahren wegen versuchten Totschlags eingestellt werde. „Aber man muss immer den einzelnen Fall sehen.“ Anwalt Böhm hingegen war nicht vollkommen zufrieden, seiner Meinung nach hätte sein Mandant feigesprochen werden müssen. „Es war klare Notwehr“, sagte er. Der 32-Jährige sah dennoch froh aus. Und nicht nur er – als der Richter verkündete, dass der 32-Jährige aus der Untersuchungshaft entlassen wird, jubelten einige Bekannte im Gerichtssaal.

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Memmingen | Jürgen Hasler

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