Werke von Richard Waldemar Oschanitzky, Conrad Paul Wusching, Philipp Caudella und Karl Ditters von Dittersdorf stehen auf dem Programm eines Konzerts im Münster am kommenden Samstag um 20 Uhr. Die Sopranistin Maria Rosendorfsky wird als Solistin zu hören sein, der Jugendchor des Münsters singt unter Leitung von Friedemann Johannes Wieland, es spielen Mitglieder des Philharmonischen Orchesters der Stadt Ulm.

Von Dagmar Hub
Ulm Alles wirkt normal – doch wer kennt die Namen der Komponisten? Karl Ditters von Dittersdorf ist der Bekannteste unter den Unbekannten. Geboren 1739 in Wien gilt er als einer der produktivsten Vertreter der Wiener Klassik. Das Ulmer Konzert steht im Zusammenhang mit dem 300. Jubiläum des Aufbruchs von Ulm aus der Donau entlang in den Südosten Europas.
Die Kompositionen, die zu hören sein werden, gab der Vorsitzende der Münchner Gesellschaft für Deutsche Musikkultur im südöstlichen Europa, der Musikwissenschaftler Dr. Franz Metz, heraus. Und weitere Partituren dreier hierzulande so gut wie unbekannter Komponisten aus dem südosteuropäischen Donauraum erklingen am Sonntag im Ulmer Münster: Philipp Caudella, 1771 geboren in Mähren, Organist und Komponist in Hermannstadt, war Herausgeber der ersten gedruckten Klavierschule in Siebenbürgen. Conrad Paul Wusching, das 17. Kind einer Handwerkerfamilie aus dem Banat, dessen musikalisches Talent früh entdeckt wurde, war etwa 50 Jahre lang einer der bedeutendsten Musiker des Banat. Oder Richard Waldemar Oschanitzky, geboren 1939 in Temesvar, ein bekannter Jazzmusiker und Banater Schwabe. Er wurde unter Ceausescu mit Ausreiseverbot belegt, starb mit 40.
Musikwissenschaftler Metz, im heute rumänischen Temesvar geboren, beschäftigt sich seit 30 Jahren intensiv mit der Musikgeschichte der Minderheiten in Südosteuropa. „Wo viele Volksgruppen zusammenleben“, sagt der 57-Jährige, „ist die Musik ein wichtiges Bindeglied, eine gemeinsame Sprache, weil man in Chören und Philharmonischen Vereinen zusammen gestalten konnte.“ Manche der Werke aus dem Fundus der Gesellschaft für Deutsche Musikkultur im südöstlichen Europa brachten Nachfahren oder Nachbarn von Komponisten und Kantoren mit, als sie nach 1989 nach Deutschland kamen. „Der Exodus begann aber schon nach dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Metz. „Vor dem Einmarsch der Sowjettruppen wurden Bestände deutschen Kulturguts versteckt – auf Dachböden und in Schränken von Kirchen, auf Orgelemporen oder in Zwischenböden. Viele dieser Partituren wurden dann vergessen.“
Im Zwischenboden einer Kirche entdeckte Metz selbst 25 Blasinstrumente aus den 20er-Jahren. Aus manchen Kirchen habe er eimerweise Notenmaterial gerettet, teilweise ziemlich verwahrlost, aber existent. „Diese Partituren sind eine Fundgrube für die europäische Musikgeschichte“, sagt Metz. Das Problem: Durch die häufige Verschiebung von Grenzen in den letzten hundert Jahren fühlt sich im Grunde niemand für die Restaurierung und Erforschung dieser Kompositionen zuständig, klagt Metz.
Warum gab es in Siebenbürgen, im Banat, unter den Donauschwaben und in Transsilvanien eine Inflation von guten Musikern und Kantoren? Von Wien aus kamen sie in jene Gegenden, in denen viel und gern musiziert und gesungen wurde, in Gottesdiensten und auf Festen. Bischöfe und Fürstbischöfe hatten eigene Theater. „Die Sopranistin, die samstags auf der Bühne sang, sang sonntags im Gottesdienst“, erklärt Metz die Situation. „Die Gottesdienstbesucher waren dieselben Menschen, die abends in die Oper gingen. Der Domkapellmeister war gleichzeitig Operndirektor.“
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