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22. November 2011 23:00 Uhr

Stadtgeschichte

Verschollen in Riga

Vor 70 Jahren begann die Deportation Ulmer Juden ins Baltikum

Ulm Der 28. November 1941 ist kein Tag in der Ulmer Stadtgeschichte, der häufig erwähnt wird. An diesem Tag vor 70 Jahren wurden die ersten 22 Ulmer Juden in ihren Wohnungen abgeholt und im Schwörhaus zusammengezogen, um – mit einer Zwischenstation auf dem Stuttgarter Killesberg – am 1. Dezember ins Baltikum deportiert zu werden. Bei einer Veranstaltung im Haus der Stadtgeschichte soll am Montag, 28. November, an das Schicksal der Deportierten erinnert werden.

Dieses Schicksal teilten 19 weitere vor dem Ulmer Juden, die sich andernorts aufgehalten hatten. In Riga allerdings war bei der Ankunft der ersten Deportationszüge die Ermordung der lettischen Juden noch nicht abgeschlossen, sodass die ersten Züge nach Kaunas umgeleitet wurden. Verschleiernd als „Evakuierung“ bezeichnet waren diese Deportationszüge der Auftakt für den Holocaust. Zynischerweise mussten die Deportierten, deren Vermögen eingezogen wurde, für die Fahrt bezahlen.

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Danach begann das Morden in Auschwitz

In den Monaten nach dem November 1941 brachten Deportationszüge insgesamt etwa 25000 deutsche und österreichische Juden nach Riga und Kaunas. Etwa ebenso viele lettische Juden waren zuvor dort ermordet worden. „Ein Experiment“, sagt der stellvertretende Stadtarchivleiter Ulrich Seemüller über diesen NS-Plan: Der Aufwand war groß, die psychische Belastung der Täter hoch. „Deshalb entschied man sich dann für den Weg der geräuschlosen industriellen Vernichtung in Auschwitz und Treblinka.“

Ein Gremium der Stuttgarter jüdischen Kultusgemeinde war gezwungen, die zu Deportierenden auszuwählen und die Deportationsbriefe zu verschicken; unter diesen ersten Ulmer Opfern waren auch etliche Kinder, der neunjährige Karl-Richard Mitlehner und die gleichaltrige Beate Baertig die jüngsten unter ihnen. „Nur etwa zwei bis drei Prozent dieser Deportierten überlebten“, weiß Seemüller. Das Schicksal der Ulmer Deportierten liegt im Dunkeln. Außergewöhnlich: Aus dem Zug konnten die beiden Ulmer Brüder Manfred und Siegfried Neuburger entkommen – beide konnten sich nach Argentinien durchschlagen. (köd)

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