Dienstag, 16. Januar 2018

30. September 2016 00:33 Uhr

Kleinkunst

Volksmusik gegen den Strom

Die Gruppe „Bairisch Diatonischer Jodelwahnsinn“ bringt im Theater Neu-Ulm Tradition und (Irr)witz zusammen – während im Publikum die Tüten herumgehen Von Florian L. Arnold

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Gejodelt haben sie, aber auch gefrotzelt, gesungen und musiziert: der „Bairisch Diatonische Jodelwahnsinn“ mit (von links) Wolfgang Neumann, Petra Amasreiter und Otto Göttler.
Foto: Florian L. Arnold

Ja, sie sind schon speziell, die Bayern, oder besser: das „Gwachs“ aus und um München rum. Von dort katapultierte sich zu einer Vorpremiere der „Bairisch Diatonische Jodelwahnsinn“ ins Neu-Ulmer Theater. Kopf und Gründer der anarchischen Volksmusikgruppe ist Otto Göttler, den man in Neu-Ulm schon mehrfach mit seiner „Unverschämten Wirtshausmusik“ erleben konnte. Und der auch diesmal den Besuch wert war.

Der 1948 geborene Obergiesinger Göttler ist ein notorischer Gegen-den-Strom-Schwimmer, wäscht den Großkopferten mit hinreißend frechen Liedern und Gstanzln den Kopf und lässt auch im neuen Programm des schon 1986 gegründeten „Jodelwahnsinns“ keine Gelegenheit aus, eine gutmütige Spitze gegen alles Unsinnige und Großmannssüchtige zu setzen.

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Das „Diatonisch“ im Titel stammt übrigens von der Diatonischen Harmonika, der sogenannten Steierischen, mit der Göttler alle Töne von bajuwarisch-herzhaft bis südländisch-exotisch ausspielt. Geradlinig, fantasiereich, immer direkt auf eine Pointe zu arbeitet sich auch Mitstreiterin Petra Amasreiter an Gitarre und Violine – direkt ins Zentrum der Publikumssympathie. Einen guten Teil der so witzigen und sozialkritischen Lieder des Abends steuert sie bei, entlockt der Violine mittels elektronischer Verzerrung eigenwillige Klangwelten und spielt Frontmann Göttler die Bälle zu für dessen kabarettistische Soli. Dritter im Bunde ist Allround-Musiker Wolfgang Neumann, der nach seiner Karriere als Musikschulleiter unter anderem bei den „Meiers“ mitspielte, ebenso bei den „Cubaboarischen“. In der bayerischen Liedermacherszene ist er seit Jahrzehnten innovativ dabei und hat sich auch einen Namen als Komponist für Film- und Fernsehmusik gemacht („Terra X“). Auf der Bühne ist er der gemütliche Linksaußen, der zum quirligen Temperament Göttlers den still-verschmitzten Kontrapart darstellt.

Das neue Programm „Der Name ist Programm“ macht unbeschwert Laune, erspart dem Publikum aber nicht das Einschalten des Gehirns. Da muss schon mitgedacht werden, wenn etwa im Lied „Der Wahnsinn“ unser Alltag seziert wird. Aberwitzig und schlitzohrig wird das Publikum zum Plastiktüten-Orchester, wobei Göttler mit valentinscher Komik die Tüten sortiert nach „Soprantüte“, „Basstüte“ und „Subkontrabass-Tüte“. Damit darf die Zuhörerschar im Neu-Ulmer Theater das Tütenlied begleiten, das unseren Plastikwahn festnagelt: „Und die Tüte fliegt ins Meer / Und der Fisch frisst die Tüte / Und wir fressen den Fisch.“

Gejodelt wurde übrigens nicht wie verrückt, wenn auch der Jodler – gleichermaßen Ausdruck von Freude wie auch Granteln – in allen Manifestationen stattfand: mal virtuos als Violinschluchzer von Petra Amasreiter, mal als deftige Kritik an der Politik, mal als musikalisch höchstwertiger „Hyperjodler“, mehr erinnernd an Brian Enos Klangexperimente als an bayerisches Brauchtum. Auf der Bühne sitzen drei erstklassige Musiker, die gleichermaßen überzeugen mit Landlern wie auch irischen Volksweisen oder einem schwermütigen München-Blues.

Am Ende ist der gut gelaunte (und gut besuchte) Abend im Neu-Ulmer Theater eine unverkrampfte, geistreiche und musikalisch grandios alle Stile auslotende Kabarettshow, wie sie nur die Bayern können. Man wird mit einem Lachen auf den Lippen zum kritischen Denken verführt. Großartig!

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