Neu-UIm Tausende trauerten gestern in Winnenden, ein Jahr nach dem Schul-Amoklauf, der 15 Menschen das Leben kostete, um die Opfer. Das Massaker hat das Leben an den Schulen verändert - auch in der Region versuchen Schulen, sich durch Notfallpläne und technische Mittel für den Ernstfall zu wappnen. Von Marcus Golling
An der Christoph-Probst-Realschule in Neu-Ulm gibt es schon länger vorbereitete Maßnahmen. Schon nach dem Schulmassaker in Erfurt 2002 seien alle Schulen aufgefordert worden, sich mit dem Problem zu beschäftigten, erklärt Schulleiter Peter Hausladen. Die dabei erarbeiteten Maßnahmen gelten bis heute, "die Pläne müssen aber der Situation angepasst werden". Manchmal sei es günstig, das Schulgebäude schnell zu räumen. "Aber wenn einer auf dem Gang herumgeht, kann man das Klassenzimmer natürlich nicht verlassen." Tritt der Amokfall ein, gibt es eine verschlüsselte Durchsage. Hausladen: "Es ist ein unauffälliger Code, den ein Außenstehender nicht versteht."
Auch das Lessing-Gymnasium ist bereit - und setzt vor allem auf Information. Wie andere Schulen auch hat die Schule Lagepläne der Klassenzimmer bei der Polizei hinterlegt. "Nur so ist ein schneller Zugriff möglich", erklärt stellvertretender Schulleiter Fritz Martin. Verbessert und erneuert wird derzeit noch die Schließanlage in dem Neu-Ulmer Gymnasium. Nicht mehr jede Tür werde für jeden offen stehen, auch eine Notfallverriegelung werde möglich sein. Sonst halte man sich an die Empfehlungen der Polizei. Eine davon: Im Ernstfall sollen die Schüler nicht alle um Hilfe telefonieren, sondern ihre Handys ausschalten - damit das Telefonnetz nicht zusammenbricht. Nur der Lehrer ruft an.
Auch bei der FOS/BOS Neu-Ulm steht die Schulleitung nach eigenen Angaben in ständigem Kontakt mit der Polizei. Nach Winnenden habe die Schule ihr Notfallkonzept weiterentwickelt, so Walter Roth, stellvertretender Leiter der Oberschule. Aber auch technische Nachbesserungen am Schulgebäude seien vorgenommen worden. Bereits länger existiere eine Videoüberwachung, zudem seien neue Sicherheitsschlösser montiert worden. Laut Roth bringen auch neue Türen an den Klassenzimmern mehr Sicherheit. Diese lassen sich nur von innen oder mit Schlüssel öffnen, durch einen Türspion ist der Blick nach draußen möglich. Besonders großen Wert legt man an der beruflichen Oberschule aber auf die Prävention: Genauer hinsehen und genauer zuhören lautet die Devise.
Auch am Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Pfuhl will die Schulleitung lieber vorher helfen, statt später zu reagieren. Schließlich gab es dort vor einigen Monaten eine Amokdrohung: Zwei Schüler aus der Mittelstufe hatten auf eine Folie eines Overhead-Projektors geschrieben: "Ihr werdet alle sterben." Das stellte sich zwar als dummer Streich heraus, doch die Schulleitung hatte bereits vorher aufgerüstet - unter anderem durch die Einrichtung eines Kriseninterventionsteams. Laut Schulleiter Hermann Muzell gehören dem neben Vertretern der Schulleitung auch Eltern, die Schulpsychologin, der Hausmeister und Beratungslehrer an. "Damit werden die Entscheidungen auf mehrere Schultern verteilt." Zudem wurden Fluchtwege ausgeschildert und neue Alarmanlagen montiert. Am wichtigsten sei es aber, Problemfälle frühzeitig zu erkennen und zu helfen. Muzell: "Vor allem müssen wir darauf achten, dass es an unserer Schule keine Ausgrenzung und kein Mobbing gibt."
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