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Polizei: Wenn Diebe Kupfer versilbern

Polizei

Wenn Diebe Kupfer versilbern

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    Hermann Kuschel von der Polizei Neu-Ulm kennt die Tricks der Kupferdiebe.
    Hermann Kuschel von der Polizei Neu-Ulm kennt die Tricks der Kupferdiebe. Foto: Foto: Manfred Scherwinski

    Neu-Ulm Egal, ob Rohstoffpreise ein Allzeithoch erreichen oder sich im Keller befinden – eine einschlägige Branche hat immer Konjunktur: Buntmetalldiebe. Diese Zeitgenossen klauen Kupfer und anderen Schrott in jedem Wirtschaftszyklus.

    „Schrottdiebe sind alles, nur nicht faul“, sagt deshalb Hermann Kuschel. Er muss es wissen, denn er ist bei der Polizeiinspektion Neu-Ulm der Experte für diese Art von Eigentumsdelikten. Nach seinen Erkenntnissen wird geklaut, was nicht niet- und nagelfest und Metallanteile enthält – von Kabel über Rohre, Autobatterien und Stanzabfällen bis hin zu industriell hergestelltem Kupfergranulat. Bevorzugte Tatorte der oft Schwerarbeit leistenden Langfinger sind Neu-, wahlweise Altbauten, Wertstoffhöfe, gern auch die eigene Firma. Zugelangt werde auch oft bei Schrotthändlern, sagt der Hauptkommissar. Mit dem geklauten Metall erlösen die Diebe oft Unsummen. Je nach Arbeitsaufwand und -dauer erhalten die Täter manchmal mehrere Tausend Euro. Wird organisiert vorgegangen, können schon mal Hunderttausende Euro zusammenkommen. Beispielsweise, wenn ein Lastwagenfahrer regelmäßig ein, zwei Zentner Granulat von seiner Ladung abzwackt, den Lkw aber bei Regen wiegen lässt: Dank des Regenwassers und der Wiegetoleranzen fällt es dann gar nicht auf, dass etwas gestohlen wurde.

    Hauptkommissar Kuschel hat in seinem Büro in der Polizeiinspektion Neu-Ulm einen ganzen Schrank voll von Metallwaren, an denen sich Diebe bevorzugt bedienen – vom dünnen Kabel bis hin zum schweren Klotz aus Rotguss. Diese Asservate sind Proben, die der Polizist auf Schrottplätzen in der Region sichergestellt hat, um sie, falls nötig, metallurgisch analysieren zu lassen. Meist braucht Hermann Kuschel aber gar nicht die Hilfe eines Wissenschaftlers: Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung sieht er oft schon mit bloßem Auge, woher die Ware stammt. Als er bei einem seiner regelmäßigen Besuche auf einem Schrottplatz ungewöhnlich viele Gussteile entdeckte, wusste er auf Anhieb, dass sie bei einem Unternehmen in der Region gestohlen worden waren. Grund: Die Gussteile wiesen einen charakteristischen Fehler auf. Die Firma wollte sie an den Hersteller zurückgeben – allerdings war ein Langfinger schneller. Den Diebstahl hatte man in der Firma noch gar nicht bemerkt.

    Kuschel hält viel von zwischenmenschlichen Kontakten. Seit Jahren hat er beste Kontakte zu Schrotthändlern und Firmenchefs. Fällt ihm ein fabrikneuer, 170 Kilogramm schwerer Kupferring auf, schrillen bei ihm die Alarmglocken. „Eine Privatperson hat so etwas nicht zu Hause. Ebenso Kupfergranulat: So was gibt es nur in Firmen.“

    Täter sind häufig drogen- oder spielsüchtig

    Der Hauptkommissar hat beobachtet, dass viele Täter eine Eigenschaft gemeinsam haben: sie sind abhängig – von Spielautomaten oder von Drogen. Nicht so der Ingenieur, den Kuschel zufällig auf einem Schrottplatz sah, wie er Kupferleitungen verkaufen wollte. Kuschel: „Auto und Kleidung des Mannes passten nicht so recht zum Ort.“ Der Mann gab an, er sei Bauleiter in München und entsorge Abfälle. Kuschel gab sich damit nicht zufrieden. Wie sich herausstellte, hatte die Baufirma sicherheitshalber mehr Kabel bestellt. Der Überschuss sollte von der Rechnung abgezogen werden. Allerdings verkaufte ihn der Ingenieur – zur Aufbesserung der „Baustellenkasse“.

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