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17. Oktober 2009 05:10 Uhr

Wenn das Telefon mehrere Hundert Mal am Tag klingelt

Landkreis/Berlin Der frisch wiedergewählte Wahlkreisabgeordnete Dr. Georg Nüßlein kann sich zurzeit vor Anrufen und E-Mails von Bürgern nicht retten. Doch was den CSU-Politiker normalerweise freuen würde, ist für ihn in diesem Fall ein Ärgernis: Denn die vielen Anrufe und Mails seien Teil einer Kampagne mit dem Ziel, seine Büros in Günzburg und Berlin lahmzulegen. Von Rebekka Jakob

"Im Zuge einer deutschlandweiten Kampagne gingen allein an einem Tag mehrere Hundert Anrufe im Büro ein", so Nüßlein in einer Pressemitteilung. In einem großen Netzwerk, das von mehr als 150 000 Menschen genutzt werde, sei zu einem Telefon-Aktionstag aufgerufen worden. Das Ziel: Protest gegen Laufzeitverlängerungen in Atomkraftwerken. Nüßlein, Energieexperte der CSU im Bundestag, hatte diese Woche gegenüber unserer Zeitung betont: "Wir können die Atomkraftwerke nicht wie bisher vorgesehen abschalten, weil wir sonst energiepolitisch auf dem Trockenen sitzen."

Doch nicht nur die Telefone des Abgeordneten liefen heiß: "In der letzten Zeit waren zudem immer häufiger Massen-E-Mail-Aktionen zu diversen Themen erfolgt, bei denen im Internet von verschiedenen Organisationen zur Versendung von Einheitstexten aufgerufen wurde", so der CSU-Politiker. Mehrfach sei der E-Mail-Account des Abgeordneten für mehrere Stunden zusammengebrochen.

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"Manche wollten gar nicht mit mir diskutieren"

Nüßlein, der bei der Telefonaktion selbst an den Hörer ging, bis er zu den Koalitionsverhandlungen aufbrechen musste, wunderte sich über die Reaktion mancher Anrufer, die gar nicht mit ihm diskutieren wollten. "Mehr als überrascht waren etliche Anrufer, als ich selbst Telefonate entgegennahm," so Nüßlein. Wo die Bereitschaft zur Debatte da war, habe er etliche Anrufer mit Gegenargumenten nachdenklich stimmen können.

Der Abgeordnete sieht die Aktionen im Internet noch relativ gelassen: "Demokratie bedeutet Dialog. Ich stehe dafür immer zur Verfügung. Meine Überzeugung ist, dass grundsätzlich jeder Bürger, der aus meinem Heimatkreis schreibt oder eine Frage zu meinen Ausschussthemen hat, Antwort erhält."

Besonders lustig findet er die Attacken nicht: Wenn das Ziel mancher Internetaktionen allerdings offenbar nicht mehr der Dialog sei, sondern ein Bürosystem auszuhebeln, dann sehe er sich einer neuen Zeitgeisterscheinung gegenüber.

Der 40-Jährige nutzt das Internet übrigens selbst für sich, wenn auch wie im vergangenen Bundestagswahlkampf in eingeschränkter Form. Er betreibt eine eigene Homepage (georg-nuesslein.de) und ist Mitglied des sozialen Netzwerks Facebook, auf der Plattform YouTube, einer Seite für Filme, kann sich der Nutzer die Reden des CSU-Politikers im Bundestag anschauen.

Zurückhaltend ist er beim Internetportal abgeordnetenwatch.de - Anfragen, die dort an ihn gestellt werden, werden grundsätzlich mit dem Hinweis beantwortet, sich doch bitte direkt an das Abgeordnetenbüro zu wenden.

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