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11. Dezember 2009 05:49 Uhr

Wenn der Mensch ganz bei sich ist

Ulm (köd) - Mit der Kamera tritt Donata Wenders in den Dialog mit ihren Mitmenschen. "Fotografieren ist für mich wie ein Gespräch ohne Worte", sagt die Künstlerin. Manchmal "sehe" sie deshalb den Menschen im Unscharfen besser, den Menschen eigentlich, der sich sonst hinter einer Situation verbirgt. "Unschärfen ermöglichen auch, im Bild allgemeingültige Aussagen über das Leben und den Menschen zu machen." Auf zwei Stockwerken zeigt das Stadthaus in seiner aktuellen Ausstellung "Kleine Ewigkeiten" Schwarz-Weiß-Fotografien der Künstlerin Donata Wenders, der Frau des Filmemachers Wim Wenders. 85 bis 90 Prozent eines Jahres, sagt die 44-Jährige, sei sie mit ihrem Mann auf Reisen - die restliche Zeit verbringe sie mit dem Packen von Koffern.

Die meisten ihrer sehr persönlichen Fotografien entstehen auf diesen Reisen, oft am Set. Für Donata Wenders sind es allerdings nicht Filmszenen, die sie faszinieren, sondern es sind winzige Momente, Momente aber von so eigener Bedeutung, dass sie sich unter Umständen für ein ganzes Leben einprägen. "Mich interessieren die selbstvergessenen Momente, die Momente, in denen der Mensch ganz bei sich ist und bei dem, was er tut." Solche Momente findet sie etwa, wenn die immer wieder von ihr porträtierte Schauspielerin Milla Jovovich nicht in einer Rolle vor der Kamera steht, sondern sich in einer Pause konzentriert damit beschäftigt, wie sie eine Situation im Film verkörpern will.

Das Innere preisgeben, nicht die Menschen entblößen

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Eine Entdeckung war es für Donata Wenders, dass Menschen mehr von sich preisgeben, wenn sie sich geschützt fühlen. "Ein Bild soll nicht entblößen", sagt die Fotografin. Ob es die Frau ist, deren gerader Blick auf den Betrachter deshalb so frei wirkt, weil die Frau hinter einem Schleier geschützt wirkt, ob es der kleine Junge ist, der aus der Sicherheit des geschlossenen Autos heraus auf die Fotografin schaut oder ob es die Fremde ist, die in der Trambahn gedankenverloren und doch frei auf die Fotografin blickt - ihre Aufnahmen bestätigen Donata Wenders' These.

Dass sie jemals digital fotografieren wird, bezweifelt Donata Wenders. "Die Pixel haben es noch nicht geschafft, die Tiefe und die Lebendigkeit wiederzugeben, die der Film besitzt, den ich in die Kamera einlege." Von der Kunst des Entwickelns, von der Herausforderung des Entwicklungsprozesses erzählt sie. "Schnell schöne Abzüge zu bekommen, das geht nicht. Ich muss mich fragen, was ich zeigen will, ob ich die Szene sanft zeigen will oder scharf, was mein Ziel ist", erklärt sie.

Donata Wenders' Ziel ist es, in ihren Arbeiten dem Menschen sein Geheimnis zu lassen, wie es die von ihr gern porträtierte Tänzerin Pina Bausch empfand - das Geheimnis eines Blickes, einer Geste, einer Handhaltung.

Ausstellung "Kleine Ewigkeiten - Photographie von Donata Wenders" ist im Stadthaus bis zum 7. März 2010 zu sehen.

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