Freitag, 21. Juli 2017

09. Juli 2017 08:56 Uhr

Senden

Wie steht’s um die Weberei?

Grünen-Chef Helmut Meisel und Stadtbaumeisterin Manuela Huber sprechen über die Vergangenheit und den aktuellen Zustand des Areals. Was als nächstes ansteht.

i

Auf dem Gelände der Weberei sieht es ein bisschen aus, als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Die alte Webhalle ist mit Graffiti besprüht, die einzigartige Shed-Dachkonstruktion größtenteils kaputt. Mittlerweile darf niemand mehr die Halle betreten.
Foto: Alexander Kaya

Vor mehr als 20 Jahren wurde der Betrieb der alten Weberei in Ay eingestellt. Das Gelände liegt brach – und das, obwohl es ein Filetstück ist. Wer hinter dem Seniorentreff vorbeigeht, kann mit seinen Gedanken leicht in eine frühere Zeit schweifen. Denn dort scheint sich zumindest in den vergangenen 20 Jahren nicht viel geändert zu haben. Der Boden ist teilweise asphaltiert, große Teile sind aber von Schotter bedeckt.

Der Blick fällt sofort auf die große Webereihalle und auf den Schornstein, der direkt daneben steht. Die Wände der Halle sind mit Graffiti besprüht, das Gebäude sieht nicht gerade einladend aus. Und das ist in diesem Fall auch gut so. Seit Mitte vergangenen Jahres darf niemand mehr die Webhalle betreten. Auch die Mitarbeiter des Bauhofs gehen nicht mehr hinein, wie Stadtbaumeisterin Manuela Huber sagte.

ANZEIGE

Die Grünen-Kreistagsfraktion hat zu einem Rundgang über das Gelände eingeladen. Mit dabei waren die Grünen-Bundestagsabgeordneten Ekin Deligöz und Chris Kühn, außerdem Helmut Meisel von der Grünen-Fraktion im Stadtrat sowie ein paar interessierte Bürger. Helmut Meisel erzählte von der Vergangenheit des Areals. Der Betrieb der Weberei lief von 1857 bis 1993. In den besten Zeiten waren 870 Arbeiter dort angestellt. Oft seien es Gastarbeiter gewesen, etwa aus der Türkei.

Die Geschichte Sendens soll erhalten bleiben

Das sei mit ein Grund, warum in Senden bis heute vergleichsweise viele Menschen mit Migrationshintergrund leben. Die Bundestagsabgeordnete Deligöz findet es gerade deswegen wichtig, einen Teil der Weberei zu erhalten, um damit auf die Geschichte Sendens eingehen zu können. „Viele wissen gar nicht mehr, warum die Bevölkerung hier so vielfältig ist“, sagte sie.

Bis über eine mögliche geschichtliche Nutzung nachgedacht werden kann, ist es aber noch ein weiter Weg. Seit die Stadt Senden das Gelände nach der Betriebsaufgabe im Jahr 1993 gekauft hat, ist dort nicht viel passiert. Es gab immer mal wieder Ideen, die Halle mit ihrer charakteristischen Dachform, den Shed-Dächern, zu nutzen. Schließlich belegt sie einen Großteil des Areals. Mittlerweile stehen die Webereihalle und der Schornstein unter Denkmalschutz, damit müsste beides erhalten werden.

Aber dafür ist es nach Meinung der meisten Stadträte und der Sendener Verwaltung zu spät. Die vergangenen Jahrzehnte haben ihre Spuren hinterlassen. Stadtbaumeisterin Manuela Huber sagte, dass der Zustand „katastrophal“ sei. Vor 20 Jahren hätte man die Halle retten können. Der Großteil der Sheds – also der dreieckförmigen Dachteile – sei jedoch mittlerweile eingebrochen. Das dadurch eingetretene Wasser habe großen Schaden angerichtet. Und einen Schutz für das Dach in dieser Größe aufzubauen, sei unmöglich.

Helmut Meisel sagte, dass vonseiten der Grünen nur ein Teil der Halle und der Schornstein bleiben müsste. Vor einiger Zeit hat der Stadtrat bereits über einen Antrag auf Abriss gesprochen – bis auf einige Ausnahmen wie den Schornstein.

Wohnungen für verschiedene Bedürfnisse

Doch so einfach geht das nicht. Das Landesamt für Denkmalschutz prüft diese Anträge sehr genau. Demnächst sollen über die Zukunft der Gebäude weitere Gespräche geführt werden. Dann müsse festgelegt werden, was auf dem Gelände passieren soll, um einen städtebaulichen Wettbewerb ausschreiben zu können. Das rund 60000 Quadratmeter große Areal soll ein Quartier werden. Ekin Deligöz erzählte davon, wie sie als Kind auf dem Gelände gespielt hat. „Es ist schön, dass was daraus entstehen soll.“

Mit dabei war auch Marco-Manuel Reyes, der Geschäftsführer der Sendener Wohnungsbaugesellschaft. Er erzählte von den Bauideen. Fest steht ein Kindergarten, den die Stadt baut und die katholische Kirche betreibt. Auf dem restlichen Gelände sollen vielfältige Wohnformen entstehen. Also sowohl Platz für größere Familien als auch barrierefreie Wohnungen. Wichtig für den Charakter als Quartier: Es soll Läden geben und Treffpunkte für die Bewohner. „Wie es früher die Dörfer waren“, sagte Huber.

Gelungen ist der Stadt bereits die Aufwertung eines Teils auf dem Webereigelände – und zwar mit dem Seniorenzentrum Therese-Studer-Haus, dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Weberei. Das schmucke Haus stellt einen beliebten Treffpunkt dar. Ideal für seine Lage im möglichen zukünftigen Quartier.

i

Mehr zum Thema
Ihr Wetter in Neu-Ulm
21.07.1721.07.1722.07.1723.07.17
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                Gewitter
	                                            Wetter
	                                            Gewitter
                                                Wetter
                                                wolkig
Unwetter16 C | 27 C
16 C | 27 C
13 C | 23 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Ein Artikel von
Carolin Oefner

Neu-Ulmer Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten

Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Alles rund um die Basketballer

Wie gut kennen Sie Neu-Ulm?
Top-Angebote

Bauen + Wohnen

Alle Infos zum Messenger-Dienst
Unternehmen aus der Region


Partnersuche