Der Erzkomödiant Walter Frei wird zu seinem 75. Geburtstag gefeiert

Ulm/Herrlingen Woran erkennt man einen Vollblutschauspieler? Ohne Zweifel: an der Verwandlungskunst! Wenn ein Ur-Schwabe ein Jahr lang in Wien war, dort in den 365 Tagen 394 Theateraufführungen gesehen hat und sich in diesen zwölf Monaten den Tonfall der Stadt und ihrer Bewohner so intensiv angeeignet hat, dass er ihn noch Jahrzehnte später perfekt wiedergeben kann – dann liegt zweifellos eine schauspielerische Verwandlungs-Urbegabung vor.
Walter Frei, der Erzkomödiant von der Herrlinger Theaterei, feierte jüngst seinen 75. Geburtstag und viele kamen aus diesem Anlass ins Theaterzelt. Zwei Monate vorher schon restlos ausverkauft, bot das Geburtstagsprogramm vor allem eines: Walter Frei (fast) pur. Und das bedeutete drei Stunden ungetrübte Freude, gefolgt von einem Geburtstags-Büffet im Zelt, bei dem die vielen Gratulanten Gelegenheit hatten, dem Jubilar ihre guten Wünsche persönlich vorzutragen.
Bevor es aber so weit war, stand im ersten Teil des Abends Freis Biografie im Vordergrund – im amüsanten Talk von Wolfgang Schukraft erfragt und immer wieder von den verschiedensten Geburtstagsständchen mit Gesang, Klavier und Flöte(n) unterbrochen.
Geboren im nordwürttembergischen Gaildorf wuchs er in der großväterlichen Bäckerei auf, machte Abitur in Schwäbisch Hall und studierte (natürlich: vor allem Theaterwissenschaften) in Erlangen und Wien, wo er neben den dortigen Theatern auch eine Schauspielschule besuchte. Schließlich entschied er sich aber doch für den Brotberuf des Lehrers, aus dem er dann freilich nach vielen Jahren doch auf die Bühnenbretter der Theaterei wechselte.
Eine eindrucksvoll lange Liste seiner Inszenierungen und Rollen dokumentierte als Programmblatt seinen Rang in der Ulmer Bühnenlandschaft ebenso wie die an die Gratulationscour anschließende Premiere des brillanten neuen Soloprogramms (zusammen mit Wolfgang Gentner am Klavier): „Wie schön wäre Wien ohne Wiener“. Es bestätigte glänzend die Gegenfeststellung: „Wie arm wäre Ulm ohne Walter Frei!“ Wiener Heurigenlieder und Wiener Kabarett, geistreiche Pointen und boshafte Alltagsbeobachtungen bilden in diesem Programm eine süffige Melange, die in Herz und Verstand rinnt wie „no a Glaserl Wein“ durch die Gurgel.
Alfred Polgar, ein Autor dieses amüsanten Wien-Programms, schrieb einmal über einen Schauspieler zwei Sätze, die auch Walter Frei treffend charakterisieren: „Er hat Humor, die saftige Heiterkeit eines Mannes, der das Leben als Fiktion durchschaut, aber diese höchst annehmbar findet. Und dem, dass er den Trug verachten muss, die Freude, dass er ihn genießen darf, nicht stört.“ Das wünscht man Walter Frei für noch viele Jahre.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: