Dienstag, 12. Dezember 2017

13. August 2017 07:00 Uhr

Neu-Ulm/Senden

Zuhause bei Fremden: Couchsurfer aus der Region erzählen

Drei Menschen aus der Region teilen Gästezimmer und Sofa mit dem Rest der Welt – und nutzen das Angebot bei Reisen auch gerne selbst. Dabei haben sie schon einiges erlebt. Von Anne-Lena Leidenberger

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Claudia Steinhauer aus Neu-Ulm nimmt Couchsurfer bei sich auf.
Foto: Anne-Lena Leidenberger

Claudia Steinhauer muss nicht lange überlegen: „Du bekommst mehr zurück, als du gibst“, sagt sie und nimmt einen Schluck aus ihrer Kaffeetasse. Die Neu-Ulmerin spricht über Couchsurfing, eine Internetplattform, durch die Reiselustige umsonst bei Fremden unterkommen oder selbst einen kostenlosen Schlafplatz anbieten können. „Mein Mann und ich haben Couchsurfing durch unseren Sohn entdeckt“, erinnert sich Steinhauer. Der war schon lange auf der Internetplattform angemeldet. „Er erzählte damals von einer allein reisenden Frau aus Istanbul, die einen Schlafplatz suchte.“ Sofort war Steinhauers Neugierde geweckt.

Da ihr Sohn zu diesem Zeitpunkt verhindert war, entschied das Ehepaar Steinhauer, der Frau ihr eigenes Gästezimmer anzubieten. Seitdem waren dort schon mehr als 15 Couchsurfer aus aller Welt zu Gast. Menschen, die sie sonst wohl nie getroffen hätten, aus Ländern wie Afghanistan und China. „Schlechte Erfahrungen mit unseren Gästen haben wir noch nie gemacht“, sagt Steinhauer. Während die 58-jährige Sozialarbeiterin zunächst erwartet habe, dass sich vor allem Leute in ihrem Alter melden, kamen die Anfragen besonders von jungen Menschen.

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Wenn sie nicht selbst Gastgeberin ist, nutzt Steinhauer Couchsurfing auch gerne als Reisende. Nicht verstehen könne sie, warum nicht mehr Menschen ihr Zuhause teilen wollen. „Wir Deutschen schwärmen lieber von der Gastfreundschaft anderer Länder, statt selbst ein Stück zurückzugeben.“ Für sie und ihren Mann ist Couchsurfing eine tolle Sache – denn: „Das Wichtigste im Leben ist und bleibt doch die Begegnung mit Menschen.“

Das sieht auch Jan Sobott so: „Es sind schon einige lustige Situationen und Bekanntschaften durch Couchsurfing entstanden“, erzählt der 31-Jährige, der in einer Wohngemeinschaft in Neu-Ulm wohnt. Einmal habe er zum Beispiel bei einer 60-jährigen Japanerin übernachtet – traditionell japanisches Essen und Futon mit inbegriffen. Die Gastfreundschaft mancher Menschen sei überwältigend, schwärmt Sobott. „Als ein Gastgeber spontan krank wurde, sagte er mir nicht ab, sondern stellte mich einem anderen Couchsurfer vor, überließ uns beiden dann die Wohnung und verzog sich für den Rest des Abends ins Badezimmer“, erinnert er sich. Man lerne immer etwas Neues dazu, vor allem Dinge, die man während des konventionellen Reisens nicht erlebe.

Sobott war bisher vor allem als Reisender unterwegs. Der 31-Jährige arbeitet saisonal als Hochzeitsfotograf und reist den Rest der Zeit viel. Erst einmal hat er selbst jemand in seinem Neu-Ulmer WG-Zimmer beherbergt. Sein erster und bisher einziger Gast war ein Mädchen aus China, die auf ihrer Weltreise fünf Tage in Neu-Ulm verbracht hat.

Dass Couchsurfing nicht nur in Neu-Ulm funktioniert, weiß Paula Pfalzer. Die 22-jährige Medieninformatikstudentin hat schon in Memmingen und Senden fremde Gäste beherbergt. Das Konzept Couchsurfing hat Paula zum ersten Mal nach ihrem Abitur ausprobiert, als sie in Spanien als Au-pair gearbeitet hat. Die Unterkünfte für ihre Städtetrips innerhalb des Landes hatte sie damals über die Plattform organisiert. „Das ist richtig cool, weil man so viele Einheimische kennenlernt, die einem ihre Version der Stadt zeigen.“ Auch auf ihrer Reise in Amerika war die Studentin froh um diese Möglichkeit: „Alle Hotels waren damals ausgebucht.“

Das erste Mal selbst Gäste beherbergt hat Paula in Memmingen, wo sie damals noch bei ihren Eltern gewohnt hat. „Die fanden das total cool. Sie haben sich fast mehr mit meinen Gästen unterhalten als ich.“ Heute wohnt Paula in Senden und bietet Couchsurfern dort eine Ausklappcouch sowie eine Hängematte zum Schlafen an. „Ich hatte hier in Senden schon einen Couchsurfer, der zum Exerzieren in die Region kam“, erzählt Paula und fügt hinzu: „Wir haben viel über Religion geredet, weil er sehr gläubig war. Interessant war das auf jeden Fall.“ Angst als Mädchen bei fremden Menschen zu übernachten hat die 22-Jährige nicht. „Es gibt ja Bewertungen, an denen man sich orientieren kann.“ Auch auf ihren zukünftigen Reisen möchte sie nicht auf Couchsurfing verzichten. Nirgendwo sonst erfahre man so interessante Geschichten, sagt sie.

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