Mittwoch, 27. Juli 2016

19. Dezember 2014 19:57 Uhr

Ulm

Zwischen Krieg und Karneval

Claudio Monteverdis „Il ritorno d’Ulisse in patria“ ist jetzt am Theater Ulm zu hören und zu sehen. Als ein Echo des Gedenkens an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Von Dagmar Hub

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Monteverdis Ulysses-Oper in Ulm mit Maria Rosendorfsky, Edith Lorans, Kwang-Keun Lee, Hans-Günther Dotzauer, Don Lee (von links).
Foto: Martin Kaufhold

Die Liebe und der Krieg beschäftigten Monteverdi, von dessen Opern nur drei erhalten sind. Die Quellenlage zu „Il ritorno d’Ulisse in patria“ ist mangelhaft, und das im 17. Jahrhundert beliebte Werk kommt heute nur selten auf die Bühne. Matthias Kaiser inszenierte es modern – als Echo zum Gedenkjahr an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 (Ausstattung: Mona Hapke). Penelope (I Chiao Shih) lebt am zerstörten Hof Odysseus hinter einem Tränenschleier der Trauer und der seelischen Einsamkeit. Odysseus (Kwang Keun Lee), den die Götter Jupiter, Neptun, Minerva und Amor im Prolog als Militärärzte auf seine Kriegstauglichkeit überprüft und zum Kampf um Troja geschickt hatten, ist für sie ein Traumbild. Weniger ihre Treue zu ihm als vielmehr die Angst vor den Schmerzen, die ihr die Liebe und die Ängste um Odysseus zufügen, lassen diese Penelope vor ihren Freiern zurückschrecken. Die Lächerlichkeit der Kavaliere bringt das karnevaleske Element in die Szenerie: Der fresssüchtige Iro (Hans-Günther Dotzauer) zeigt gebremstes Interesse an der schönen Frau; Antinoos (Don Lee) und Pisandro (Rochus Bliesener) beherrschen die Kunst der Verführung kaum; Eurimachos (Thorsten Sigurdsson) genießt schon die erotische Zuneigung der Magd Melanto (Maria Rosendorfsky).

Kaisers Inszenierung interpretiert Eitelkeit sowohl im heutigen Verständnis als Selbstverliebtheit der Protagonisten als auch in dem barocken Sinn des zeitgleich zu Monteverdi entstandenen Gryphius-Sonetts „Es ist doch alles eitel“: der Mensch als vergängliches Wesen ohne Bestand. Daraus entsteht eine psychologische Betrachtung der Zerbrechlichkeit des Seins, die emotional überzeugt. Ausdrucksstark agiert Edith Lorans als knabenhafter Sohn Telemachos. Angstvoll beobachtet er das Werben der Kavaliere um die Mutter.

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Monteverdis rekonstruierte frühbarocke Musik unterstützt in Ulm die Stimmen der Akteure nicht; sie führt ein Eigenleben, das die Sänger fordert und ihnen gleichzeitig Freiraum gibt. Don Lee wagt sich in fast nicht mehr singbare Tiefen; Maria Rosendorfsky brilliert stimmlich als Revolverbraut Minerva, die Telemachos mit dem Fallschirm im elterlichen Hof absetzt. Die Ulmer Philharmoniker auf den Stufen des Palastes zeigen sich unter Leitung von Hendrik Haas auch mit Chitarrone, Erzlaute und Regal souverän. Und das Schluss-Duett des Erkennens zwischen Penelope und Odysseus, als 20 Jahre Trennung im Ehebett überwunden scheinen, ist einfach nur schön und rührt zutiefst.

NächsteAufführungen: 23., 27. Dezember, 2., 4., 16. Januar.

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