Neu-Ulm Einer der besinnlichen Momente des Sports: ein kalter November-Sonntagvormittag, die Sonne hat sich hinter graue Wolken verzogen, die Donau schickt ihr Wasser Richtung Böfinger Wehr. Es sind einige Boote des Ulmer Ruderclubs draußen, sie werden von vereinzelten Spaziergängern beobachtet. Elegant, leicht, scheinbar ohne Kraftanstrengung der Besatzungen schneiden die flachen Rümpfe durch den sanften Wellengang. Schließlich kommen die Weltmeister: Der Deutschland-Achter legt an, beendet seine dritte Trainingseinheit in Ulm. Die Jungs wirken locker, souverän, entspannt. Nur der Schweiß, der ihnen am Kinn herunterläuft, erzählt eine andere Geschichte.

Den Großteil zahlt der Verein
Tags zuvor herrschte nur wenige Meter entfernt großer Trubel: Der Ulmer Ruderclub (URCD) feierte mit großem Bahnhof die Grundsteinlegung des neuen Leistungszentrums. 1,2 Millionen Euro nimmt der Verein dafür in die Hand und finanziert den größten Teil der Summe selbst. Für den Verein ist es vorerst die letzte Chance, überhaupt noch an Fördergelder zu kommen: Die Städte schießen zu, die Landessportbünde ebenfalls im Rahmen ihrer Förderrichtlinien.
Noch aus einem anderen Grund ist der Zeitpunkt günstig: Wer hat schon einen Weltmeister im Klub, dazu noch in einer der renommiertesten Disziplinen des Weltsports? Acht Ruderer harmonisieren ihre Bewegungen, um die optimale Kraftausbeute ins Wasser zu bringen. Da bleibt kein Raum für individuelle Glanzlichter, da gewinnt nur, wer sich absolut im Team unterordnen kann. Das kommt an, Sieger sind sexy, schon immer gewesen …
Urs Käufer war dabei, als der Deutschland-Achter bei der WM in Polen Gold gewann, Urs Käufer hat sich von der Ulmer Donau auf Weltniveau gerudert. "Gute Nachwuchsarbeit darf nicht nur in die Breite gehen, gute Nachwuchsarbeit braucht Spitzenathleten", sagt Michael Hörmann, Olympiasieger von Los Angeles und Zweiter Vorsitzender des URCD, konsequenterweise zuständig für den Leistungssport. Und Leistungsrudern braucht mehr als immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. Deshalb packt der URCD das Leistungszentrum an: Übernachtungsmöglichkeiten, angemessene Umkleidekabinen, Seminarräume, ein neuer Kraftraum. Optimale Rahmenbedingungen für Nachwuchsarbeit und Spitzensport. Am 1. Mai soll das Zentrum betriebsbereit sein.
Urs Käufer beweist, wie gern sportliche Erfolge angenommen werden, wie lohnend diese Investition sein kann: Ulm liebt seinen Weltmeister, Ulm liebt den Deutschland-Achter. Drei Tage waren die Jungs an der Donau, die Resonanz war großartig. Rudern mag nicht oft im Rampenlicht stehen, aber die Leistungen seiner Spitzenathleten werden respektiert. Für Urs Käufer war es eine besondere Herausforderung, seine Teamkameraden aus ganz Deutschland bei Laune zu halten. "Es hat alles gut geklappt", befand er schließlich. Vielfaches öffentliches Schulterklopfen, Autogrammstunde und Abfeiern bei der URCD-Jahresfeier im Bräustüble - die Weltmeister haben es genossen.
Bundestrainer Ralf Holtmeyer hat vom Beiboot aus bei den Trainingseinheiten genau hingeschaut. Üblicherweise wird im Bundesleistungszentrum in Dortmund trainiert, der Abstecher nach Ulm war eine Premiere. "Weil ich den Michael Hörmann ja schon so lange so gut kenne", erklärt er und findet: "Es war eine gute Entscheidung, hierherzukommen." Und nicht nur ein Höflichkeitsbesuch: Ulm war für den Deutschland-Achter der Auftakt des Aufbauprogramms für die kommende Saison, gewissermaßen der Grundstein für zukünftige Erfolge. Das passt doch ...
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