Neu-Ulm/Illertissen Fußball-Schiedsrichter brauchen ohnehin ein dickes Fell. Aber wenn am kommenden Wochenende die Frühjahrsrunde beginnt, dann müssen sich wohl auch die Pfeifenmänner im Bezirk auf noch schlimmere Schmähungen von Spielern und Zuschauern einstellen. Die unappetitliche Affäre um die Beziehungskiste zwischen Manfred Amerell und Michael Kempter liefert schließlich reichlich Stoff für dumme Bemerkungen aus der untersten Schublade. "Fans können gnadenlos und brutal sein", weiß Erich Sauter, der Schiedsrichter-Einteiler der Gruppe Illertal.

Sein Kollege Reinhold Ernst aus Grafertshofen, zuständig für die Einteilungen im Nachwuchsbereich, hat entsprechende Erfahrungen schon vor Beginn der Frühjahrsrunde gemacht: "Ich habe mir sogar allerhand anhören müssen, wenn ich nur im Sportheim sitze und die Bundesligaübertragungen im Fernsehen anschaue." Sein Rat an die Kollegen auf den Plätzen: "Man sollte auf dieses Geschwätz gar nicht reagieren und sich keine Blöße geben."
"Eine Portion Gelassenheit und Schlagfertigkeit" empfiehlt auch Rüdiger Bergmann. Der Schiri-Obmann im Bezirk Donau/Iller erinnert allerdings auch an die seiner Einschätzung nach viel schlimmere Hoyzer-Affäre, in der es um Bestechlichkeit und verschobene Spiele ging. "Damals wurden Schiedsrichter bei umstrittenen Entscheidungen in die Nähe von Kriminellen gerückt", sagt Bergmann: "Jetzt wird halt der Flachs in Sportheimen blühen und der Stammtisch macht das zum Thema. Aber einen direkten Ansatzpunkt für Kritik liefern die Affäre um Amerell und Kempter und das Thema Homosexualität eigentlich nicht."
Der Obmann wird seinen Schiri-Kollegen vor der Fortsetzung der Saison eintrichtern: "Weghören und die Distanz wahren. Auf keinen Fall darf ein Schiedsrichter sich auf diese Ebene begeben und am Ende das Fass selber aufmachen."
Ein wenig Zeit bleibt den Unparteiischen ja noch, um sich einen Verhaltenskodex zu schaffen. Wegen der anhaltend winterlichen Wetterverhältnisse wird nämlich nach Einschätzung von Bezirkschef Manfred Merkle die eigentlich für das kommende Wochenende vorgesehene Fortsetzung der Saison um mindestens eine Woche verschoben werden müssen.
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