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27. April 2011 00:10 Uhr

Tschernobyl-Demo

400 Menschen erinnern an den Super-Gau

Aktionsbündnis zieht mit Transparenten lautstark durch die Altstadt Von Volker Linder

Ingolstadt Für manche ist es bitter, am 25. Jahrestag des Super-Gaus in Tschernobyl wieder demonstrieren zu müssen. Silvia Wagner von den Ingolstädter Grünen kann sich noch gut erinnern, als sie vor 30 Jahren genau hier am Theatervorplatz in Ingolstadt stand und gegen den Bau des Kernkraftwerks Brokdorf in Schleswig-Holstein demonstrierte. Zwar waren es damals nur 17 Demonstranten und zehn Polizisten, während gestern Abend um 18 Uhr immerhin etwa 400 Menschen gekommen waren, um gegen Atomkraft zu demonstrieren. Für Wagner ist das allerdings kein Grund zur Freude: „Ich kann nur hoffen, dass es für uns nicht zu spät ist.“ Schließlich sei man hier in Ingolstadt von Atomkraftwerken umringt.

Ein Aktionsbündnis aus Bund Naturschutz, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, IG Metall, ÖDP und SPD hatten zur Demo aufgerufen. Das Motto: „25 Jahre Tschernobyl und nichts gelernt!“ Bis 18 Uhr füllte sich der Theatervorplatz gestern Abend erst schleppend, dann strömten immer mehr Menschen vor das Theater. Familien mit Kindern und Transparenten waren ebenso gekommen wie die beiden Bundestagsabgeordneten der Grünen und der Linken, Agnes Krumwiede und Eva Bulling-Schröter. Von der bekannten Ingolstädter Reggae-Band „Ras Dashan“ ertönte der Refrain „Hört auf mit diesem Wahnsinn.“

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Neben Georgine Müller vom Bund Naturschutz und Harald Schirmer berichtete auch eine Betroffene von der Reaktorkatastrophe vor 25 Jahren. Die Mutter erinnerte sich, wie die Informationspolitik erst schleppend anlief und die Kinder im verstrahlten Sand spielten. Auch die Freude über das neugeborene Kind sei von den Ereignissen überschattet gewesen.

Der Demonstrationszug setzte sich unter den lautstarken Rhythmen der Trommelgruppe von Charly Böck gegen 18.30 Uhr in Bewegung. Vom Theatervorplatz ging es über die Mauthstraße und den Rathausplatz, die Moritzstraße, Theresienstraße, Kupferstraße und Ludwigstraße wieder zurück zum Theatervorplatz. Dort hielten Stadträte und Gewerkschaftsvertreter leidenschaftliche Reden für einen Ausstieg aus der Atomenergie. Krumwiede bezeichnete einen kompletten Ausstieg bis 2017 als „realistisch“. Die Grünen-Abgeordnete sagte mit Blick auf alternative Energiequellen: „Öko-Strom aus Norwegen würde nur ein Drittel des deutschen Atomstroms kosten. Allerdings wird das Seekabel nach Norwegen von der Regierung blockiert.“

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