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27. Dezember 2010 04:31 Uhr

Angelegenheit des Herzens

Neuburg Das erste, was einem am 24. Dezember in der Justizvollzugsanstalt in Herrenwörth in den Sinn kommt, ist Ruhe. Das ändert sich, als pünktlich nach Tagesplan am Nachmittag die Zellentüren geöffnet werden. Von den derzeit 160 Inhaftierten machen sich dann 45 junge Männer auf den Weg, um am Heiligen Abend am Gottesdienst teilzunehmen.

Gefängnispfarrer Johannes Link hat eine ökumenische Messe vorbereit, die die Teilnehmer aus den unterschiedlichen Nationen berühren soll. "Egal ob katholisch, evangelisch, orthodox oder auch atheistisch, Weihnachten ist für die meisten hier eine schwierige Zeit", sagt Link. Das erfuhr auch Domkapitular Prälat Dr. Bertram Meier. Der Geistliche aus Augsburg suchte eingangs das persönliche Gespräch, zuerst mit einzelnen jungen Gefangenen in den Zellen und anschließend bei einer Tasse Tee in Gruppen. Weihnachten sei für den Domkapitular nicht nur ein Termin, der im Kalender steht, sondern vor allem im Herzen. Er verdeutlichte den Inhaftierten, dass dieser Aufenthalt im Gefängnis nur eine "Stippvisite" ist. Die Zeit hinter Gittern solle für eine innerliche Einkehr, zum Nachdenken und zur Besinnung zu einem neuen Leben genutzt werden. Den Gottesdienst eröffneten die "Schuttertaler", eine Blaskapelle aus Nassenfels. Der Dirigent Edi Bauer, der hier in der JVA arbeitet, konnte ein Bläserensemble für den Gratisauftritt gewinnen. Angestimmt wurden weihnachtliche Weisen, instrumental und zum Mitsingen. Drei junge Inhaftierte haben neben den zwei Geistlichen ministriert und dabei die Fürbitten gelesen. Ein Adventskranz und ein Weihnachtsbaum illuminierten den Sakralraum in eine passende Stimmung.

Dr. Bertram Meier erinnerte in seiner Predigt an die Weihnachtsgeschichte mit der Herbergssuche von Josef und der schwangeren Maria. Für die Gefangenen wünsche sich der Prälat ein Dach für die Seele, ein Dach, das neu gedeckt werde für die Zeit nach der Entlassung. Der Domkapitular appellierte, dass während der Inhaftierung Angebote für Schule, Aus- und Weiterbildung sowie auch Freundschaften und Tipps angenommen werden sollen. Die Gefangenen sollen Weihnachten als Zeit zur Orientierung nutzen. Die Messe mitgefeiert hatten Ehrenamtliche vom "Schwarzen Kreuz", Ordensschwester Dominika und auch Vollzugsbeamte, die über Weihnachten Dienst verrichteten. (xh)

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