Ingolstadt Sie sind die wohl meistgesehenen Künstler der Stadt: 21 junge Maler, Fotografen oder Skulpteure bekamen eine seltene Gelegenheit. Um ihre Werke zu sehen, musste man nicht eine Galerie aufsuchen, sondern nur auf die Straße gehen. Dort hingen die ästhetisch höchst unterschiedlichen Werke an jedem zweiten Laternenpfahl. Die Idee, aus bestehenden Kunstwerken Theaterplakate zu machen, kam vom Designkollektiv xhoch4. Jetzt sind die Originalwerke der laufenden Saison in der Theatergalerie unter dem Titel "Anschlag!" zu sehen.

Ein Experiment
Kurator Boris Schmelter bezeichnete das Vorgehen von xhoch4 bei der Vernissage am Freitagabend als Experiment. Ein Experiment, das offenbar geglückt ist: Die Plakatserie gehört zu den Finalisten bei den renommierten European Design Awards, die Ende Mai in Rotterdam verleihen werden.
Die Vernissage war sehr gut besucht, etliche von den 21 teils internationalen Künstlern waren nach Ingolstadt gekommen. Theater-Intendant Peter Rein und Jürgen Köhler von der Stadt eröffneten den Werkereigen und vier Schauspieler des Theaters sorgten mit einer Performance für ein bisschen kontrolliertes Chaos: Zuerst positionierten sie sich still vor den Gemälden und mimten Posen, dann rannte einer mit dem Kopf gegen die Wand und in der Folge gaben die Akteure in schwarzen Anzügen und mit knallgelben Hemden Textpassagen aus den laufenden Inszenierungen zum Besten. Per menschlichem Zufallsgenerator entstanden so nie gehörte und teils urkomische interdramatische Dialoge. Harter Tobak wie Missbrauchsvorwürfe aus dem Stück "Blackbird" prallten etwa auf die weisen Worte der Schildkröte aus dem Kinderstück "Momo".
Die von Julia Mayr und Falco Blome konzipierte Performance war ein passender Kommentar zum Zufallsprinzip, nach dem die Theaterplakate erstellt wurden. xhoch4 hatte 21 Künstler gebeten, bereits existierende Werke einzuschicken. Die Zuordnung zu den Theaterstücken wurde dann von der Agentur vorgenommen. Waren die Plakate schon heterogen, zeigt die Ausstellung die ganze Bandbreite der Kunst. Großformatige Gemälde neben kleinen Fotoabzügen oder Skulptur neben Grafik. Nicht unumstritten war bei der Vernissage, dass den Künstlern für ihre Werke kein Geld gezahlt wurde. Sie schmücken die Stadt also für lau. Schmelter sagte dazu, man hätte die 21 Künstler mit dem vorhandenen Budget nicht angemessen bezahlen können, also habe man die Kunst lieber gar nicht vergütet. Außerdem behielten die Künstler die Rechte an ihren Werken. (vl)
Dauer Die Ausstellung ist noch bis 30. Mai dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen.
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