Einer seiner früheren Domministranten in Eichstätt hat Bischof Walter Mixa um 4500 Euro geprellt. Jetzt stand der Mann vor Gericht. Von Harald Jung

Er gab sich als US-amerikanischer Polizeioffizier "Charly McLarren" aus und prellte mehrere gutgläubige Menschen mit abenteuerlichen Geschichten um ein paar hundert Euro. Einer der dicksten Fische, der "Charly" ins Netz ging, war Augsburgs ehemaliger Bischof Walter Mixa. Dem knöpfte der junge Mann immerhin 4500 Euro ab. Am heutigen Donnerstag hat die Verhandlung gegen den Hochstapler am Landgericht Ingolstadt begonnen.
Der Angeklagte räumt grundsätzlich alles ein, nur bei wesentlichen Details widerspricht er der Anklage. Einen gefälschten Dienstausweis und die dazugehörige Dienstmarke, mit der er sich als Beamter der Polizei von Honolulu ausgab, will er nie vorgezeigt haben. Das Gericht wird die Zeugen bei den weiteren Verhandlungstagen dazu näher befragen.
Der Prozess ist eine Lachnummer und deshalb gehen auch auf der Richterbank die Mundwinkel nicht selten weit nach oben, wenn "Charly" erzählt, wie er seine Opfer rumgekriegt hat. Eine Caféhausbesitzerin aus Rottenbuch (Landkreis Weilheim-Schongau) stellte ihn als Kellner ein und hatte auch sexuellen Kontakt mit ihm. Ihr hatte der 39-Jährige erzählt, dass seine Frau erst vor wenigen Wochen im Kindbett gestorben sei und ihm ein todkrankes Baby hinterlassen habe. 7500 Euro soll er dann nach und nach aus der Kasse genommen haben.
Im Herbst 2010 landete der junge Mann dann in der Psychiatrie in Erlangen und knöpfte dort zunächst mit derselben Story einer "uralten Klosterschwester" (Originalton von Landgerichtsvizepräsident Paul Weingartner) 1000 Euro ab. Als die Geldquelle versiegte, rief "Charly" zwei Mal unter seinem richtigen Namen bei Bischof Mixa an und erschwindelte sich von ihm insgesamt 4500 Euro für angebliche Arztkosten zur Behandlung seiner nicht existierenden Tochter. Mixa und "Charly" kennen sich seit vielen Jahren: "Ich war mit 16 sein persönlicher Domministrant. Ich hatte früher regen Kontakt mit ihm", sagt der Angeklagte, der tatsächlich aus Eichstätt stammt und zwei Pässe hat: einen aus den USA und einen aus Italien.
Bischof Mixa ist für den 23. Februar als Zeuge vorgeladen. Bisher hat er nicht abgesagt. Die geprellte Klosterfrau hingegen wird nicht in den Zeugenstand treten. Sie hat sich mit einem ärztlichen Attest entschuldigt.
"Charly" ist auch ein peinlicher Fall für die Polizei in Schongau. Dort hat er eine Polizeibeamtin offenbar derart becirct, dass sie dem vermeintlichen Kollegen aus Honolulu nächtens eine Sonderführung durch die gesamte Polizeiinspektion und nicht öffentliche Diensträume gewährte. Und auch die Bundespolizei hat er geprellt, als die in Peiting nach Einbrechern suchte. "Charly" zeigte die Dienstmarke und wurde offenbar förmlich eingeladen, an den Ermittlungen mitzuwirken. Das ging soweit, dass die Beamten ihn sogar einsteigen ließen, als sie mit dem Streifenwagen nach den Tätern suchten.
Eine weitere amüsante Episode: Ein leitender Mitarbeiter von Audi borgte "Charly" nicht nur 420 Euro, sondern verschaffte dem "Detectiv aus den USA" auch gleich noch eine Sonderführung durchs Werk.
"Charly" und sein Fall sind besser als der Komödienstadel. Doch jetzt gibt es eine lange Unterbrechung: Die Fortsetzung mit einem Bischof als Zeugen und Opfer folgt erst in drei Wochen.
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