Spätestens seit dem vergangenen Wochenende dürften für die Ingolstädter alle Vorurteile auf dem Gebiet der Blasmusik ausgeräumt sein. Denn bei der "1. Deutschen Brass Band Meisterschaft" war die Crème de la Crème der deutschen Blechbläser in der Donaustadt zu Gast.

Neun Bläsergruppen nahmen in drei Schwierigkeitsstufen an dem Wettbewerb im Theaterfestsaal am Samstag teil. Mit dem Gala-Konzert der Oberaargauer Brass Band aus der Schweiz wurden die Wettbewerbsteilnehmer ordentlich auf die Folter gespannt. Erst nach der fulminanten Darbietung wurden die Sieger bekannt gegeben. Gegen die Brass Band Oberschwaben-Allgäu setzten sich am Ende die Lokalmatadoren in der Höchststufe durch.
Ihre Interpretation der "Paganini Variations" von Philip Wilby brachten der in Ingolstadt ansässigen "Bayerischen Brass Band Akademie" den denkwürdigen Titel des ersten Deutschen Meisters unter den Brass Bands ein. Das Blasorchester wird damit als erstes in der Geschichte Deutschlands offiziell bei den European Brass Band Championships im kommenden Jahr vertreten sein.
Der Bayerische Blasmusikerverband leistete mit der Ausrichtung der ersten bundesweiten Meisterschaft in Ingolstadt Pionierarbeit. Während Brass Bands in England - wo diese spezielle Blasmusikformation um 1830 entstanden ist - sehr bekannt sind und sich auch in der Schweiz und den Benelux-Ländern großer Beliebtheit erfreuen, sind sie in Deutschland noch so gut wie unbekannt. Das war auch ein wichtiger Grund für die Ausrichtung des ersten offiziellen Wettbewerbs, erklärte Andreas Horber, der Verbandsgeschäftsführer. Dass die Brass Bands, die gänzlich auf Holzblasinstrumente verzichten und ein ganz eigenes Repertoire spielen, nichts mit herkömmlichen Blechbläserensembles zu tun haben, davon konnte man sich im Theater überzeugen. Dort traten Brass Bands aus Rhön-Grabfeld, Jena (Sieger der Mittelstufe), St. Wolfgang, "esbrassivo" aus dem Rhein-Main-Gebiet, aus München, Köln (Sieger Oberstufe) und Düren gegeneinander an.
Vor allem die beiden Teilnehmer der Höchststufe - die Bayerische Brass Band Akademie aus Ingolstadt mit Musikern aus ganz Bayern und die Brass Band Oberschwaben-Allgäu - lieferten ein musikalisches Präzisionserlebnis, das man eigentlich nur von einem Profi-Orchester erwartet.
Mit dem virtuosen Pflichtstück "Paganini Variations" überzeugten beide Bands die hochkarätige Jury: Professor Maurice Hamers von der Musikhochschule Augsburg, der Schweizer Professor Armin Bachmann und Guido Seegers, Solotrompeter der Münchner Philharmoniker ließen keinen Zweifel am internationalen Niveau der Musiker. Unisono hieß es bei der Preisverleihung: "Ihr braucht euch nicht zu verstecken."
Im Rahmenprogramm boten zahlreiche Bläserkapellen aus der Umgebung - bis nach Oberisling und Denkendorf - ihr können am Paradeplatz feil. Am Sonntag spielten Wettbewerbsteilnehmer auf dem Rathausplatz und beim Gottesdienst in St. Moritz.
Der Schirmherr und Oberbürgermeister Alfred Lehmann (CSU) hatte für die Bläser beim feierlichen Empfang zudem eine Überraschung im Gepäck. "Es ist mein Wunsch, dass die Deutsche Brass Band Meisterschaft in Ingolstadt ihre Heimat findet", sagte der OB.
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