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05. August 2010 19:25 Uhr

Das negative Image bekämpfen

Bertoldsheim/Alteneich/Edelshausen/Achsheim "Als vor über 20 Jahren diese Technik von den Pionieren auf den Weg gebracht wurde, belächelte man diese Vorkämpfer als ein paar Spinner mit Wollpullovern. Heute ist sie ein ernst zu nehmender Wirtschaftszweig", resümierte Max Lösch vom Biogas Forum Bayern und zugleich staatlicher Berater beim Landwirtschaftsamt Pfaffenhofen. Als Moderator hatte er Informationen aus erster Hand geboten und eine rund fünfstündige Erkundungsfahrt zu drei Biogasanlagen fachlich begleitet, zu der der Bertoldsheimer Landwirt Franz Meier neben den Mitgliedern des Gemeinderates auch Vereinsvorstände, Standortnachbarn und interessierte Bürger eingeladen hatte. VON MICHAEL

VON MICHAEL GEYER

Meier will nördlich des SVB-Parkplatzes am Ortsrand von Bertoldsheim eine Biogasanlage mit einer Leistung von 190 Kilowatt errichten, um seinem Betrieb neben der Milchwirtschaft ein zweites Standbein zu geben. Mit dieser Fahrt wolle er vor allem informieren, denn die Biogastechnik würde seiner Meinung nach nur negativ dargestellt. In vielen Köpfen herrsche noch der Eindruck, "dass Biogasanlagen explodieren und stinken", meinte er. Seine Bauvoranfrage wurde vom Gemeinderat mit 15:1 Stimmen bereits befürwortet. Nun müsse der Flächennutzungsplan genehmigt und ein Bebauungsplan aufgestellt werden, da das Vorhaben nicht privilegiert sei. "Ich freue mich, dass bisher keine negativen Stimmen laut geworden sind. Wenn jemand dagegen ist, dann soll er jetzt mit mir reden", bietet er an.

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Erste Station der Erkundungsfahrt war der 140 Hektar große Betrieb von Andreas Schoderer in Alteneich, der seit September 2009 eine 250-Kilowatt-Anlage betreibt. Wer erwartet hatte, dass ihn ein Gemisch aus Gülle- und Siloschwaden empfange, wurde angenehm überrascht. "Wir haben mit den Nachbarn keine Probleme, da könnt ihr jeden fragen", erzählt der Betreiber, greift mit der bloßen Hand in eine Schaufel mit Trockensubstrat, das aus der vergorenen Biomasse gewonnen wurde, und bietet es zum Beschnuppern an. Es stinkt nicht, riecht eher erdig. Max Lösch weist aber auf eine Tatsache hin: "Das Ammoniak ist in der Gülle des Gärrestlagers noch drin, wenn diese richtig ausgebracht wird, lässt sich Ärger vermeiden."

Einmal am Tag muss Schoderer die Wiegezelle der Biogasanlage mit acht Tonnen Maissilage befüllen, dazu kommen noch zehn Tonnen Gülle, das direkt aus der Güllevorgrube in das System eingespeist wird, und noch zwei bis drei Tonnen Festmist. Bei rund 42 Grad entwickelt sich im gas- und wasserdichten Hauptfermenter und in den Nachfermentern, deren Inhalt wie von einem riesigen Mühlrad und von Rührwerken ständig in Bewegung gehalten wird, Methangas. Dieses wird entfeuchtet und betreibt ein Blockheizkraftwerk.

Die Abwärme des Motors hält den Gärprozess aufrecht. Es bleibt aber noch genug Wärme übrig, die Schoderer künftig für die Heizung von rund 20 Einfamilienhäusern nutzen möchte. Zwölf Nachbarn haben bereits ihr Interesse bekundet.

Rund 1,1 Millionen Euro musste der Betreiber investieren, er erhält pro Kilowattstunde zehn Cent Grundpreis, sieben Cent als Nawaro-Bonus (nachwachsende Rohstoffe) und noch einmal einen Cent Güllebonus (bei einer Anlagengröße von 150 bis 500 Kilowatt), der nur gezahlt wird, wenn ständig mindestens 30 Prozent Güllemasse verwendet wird. An zwei bis drei Tagen im Jahr herrscht auf dem Betriebsgelände ein reger "Biogasverkehr", wenn das rund 6000 Kubikmeter große Maissilo befüllt wird.

Zweite Station: der Hof von Christa und Rainer Kloiber in Edelshausen. "Die Leute zeigten uns den Vogel, wenn wir Gülle fuhren. Da kam die Novelle des Erneuerbare-Energie-Gesetz gerade recht, der Güllebonus war für uns mit ausschlaggebend", erklärt die Bäuerin, die der Biogastechnik als Energietechnikerin bei einem Stromunternehmen zuerst skeptisch gegenüber stand. Mittlerweile wird sogar die Gülle des Nachbarhofes mitverwertet. Den Einwand, dass mit den Biogasanlagen Flächen für die Lebensmittelproduktion verloren gingen, lässt sie nicht gelten: "Es wird doch sowieso viel zu viel produziert. Wenn in Deutschland eine Biogasanlage gebaut wird, hungert in Afrika kein einziger Mensch zusätzlich."

Bei der letzten Station in Achsheim bei Sophia und Georg Schaller konnten sich die Besucher ein Bild von der geplanten Bertoldsheimer Anlage machen: Die wird nämlich wegen des niedrigen Grundwasserstandes nur zwei Meter in den Boden reichen und vier Meter über dem Geländeniveau stehen. Franz Meier hofft, dass er in einem Jahr mit dem Bau beginnen kann.

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