Samstag, 25. März 2017

01. Oktober 2013 00:32 Uhr

Holocaust

Der Junge, den das Glück nicht verließ

Leslie Schwartz überlegte die Judenverfolgung und Auschwitz. Am Descartes Gymnasium erzählte er gestern seine Geschichte Von Manfred Reichl

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Seit etlichen Jahren berichtet Leslie Schwartz, ohne müde zu werden, an Schulen von seiner Zeit in den Konzentrationslagern Auschwitz und Dachau. Gestern Nachmittag war im Neuburger Descartes Gymnasium zu Gast.
Foto: Reichl

Neuburg Er hat größtes und kaum vorstellbares Leid ertragen, er hat im Holocaust seine ganze Familie verloren, hat mit viel Glück überlebt. Doch er überwand den Hass und ist seit etlichen Jahren an Schulen als Botschafter des Friedens und der Versöhnung unterwegs: Leslie Schwartz, alias Laszlo Schwarc. Gestern berichtete er auf Einladung des Descartes Gymnasiums den Schülern der 12. Jahrgangsstufen über seine Zeit in den Konzentrationslagern Auschwitz und Dachau und über sein Leben zuvor und danach.

Zum zweiten Mal in Neuburg

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Schulleiter Peter Seyberth empfand es als Geschenk, das Leslie Schwartz dank der Unterstützung des amerikanischen Konsulats bereits zum zweiten Mal in Neuburg war. Schwartz hält seinen Vortrag in Englisch, spricht leise, etwas schleppend und lässt mitunter seinen Tränen freien Lauf. Die Liste des Grauens ist penibel mit der Schreibmaschine getippt. Männernamen dicht an dicht, allesamt mit Berufsbezeichnung. In der Mitte steht „Laszlo Schwarc, Student“. Es handelt sich um Häftlinge des KZ Dachau.

Der mittlerweile 84-jährige Laszlo kam mit dem Leben davon, lebt abwechselnd in New York und in Münster-Kinderland, dem Heimatort seiner zweiten Frau. Die Liste mit den Namen dokumentiert zusammen mit einer von den Gymnasiasten in Markt Schwaben gedrehten Dokumentation seine Reise zu den dunkelsten Orten seiner Vergangenheit. Verbunden damit war seine Suche nach Menschen, die ihm geholfen haben.

In einem Kuhdorf in Ungarn geboren, hatte die Familie Schwarc ein normales Leben wie viele assimilierten Juden in Deutschland auch. 1938 stirbt der Vater. Die Mutter heiratet erneut. Von einem Tag auf den anderen bricht die heile Welt zusammen. Die jüdische Schule wird geschlossen, die willfährige Regierung erkennt der Familie die ungarische Staatsbürgerschaft ab. 1944 müssen sie sich vor der Synagoge sammeln, werden in „Kuhwagen“ in das Getto Kisvarda im Norden des Landes gekarrt. Die SS kam ins Getto. „Wir zitterten vor diesen Jungen in Uniform.“

Die Furcht artete in Todesangst aus, als die Gefangenen im restlos überfüllten Zug nach Auschwitz transportiert wurden. Es war ihnen versprochen worden, die Reise würde an einen besseren Ort führen und dort gebe es auch eine eigene Wohnung und Arbeit. „Gegen Mitternacht kamen wir an, und als ich die rauchenden Schornsteine sah, wusste ich sofort, dass hier etwas nicht stimmt.

„Ich bin schon 17“, behauptete der damals 14-jährige Laszlo, als er gemustert wurde. Dennoch schickte in Lagerarzt Mengele in die Baracke der Kinder. Auf dem Weg dorthin traf er seinen Freund Sandor der ihn mit auf die Männerbaracke nahm. Über Lautsprecher wird der Häftling mit der Nummer 71253 von den Wachen ausgerufen. Doch bevor sie ihn entdecken, sitzt er schon in einem Zug, der die Häftlinge zur Zwangsarbeit nach Dachau bringt. Seine Familie sieht Laszlo Schwarc nie wieder.

Obwohl krank, ausgehungert und kaum bei Kräften, muss er in verschiedenen der insgesamt 200 Außenlager im Schienenbau arbeiten. Ende April 1944 schickte die SS 200 Häftlinge nach Poing. Die Wachen dort glaubten, der Krieg sei bereits vorbei und entließen sie deshalb in die Freiheit. Doch die Schergen der SS trieben sie mit Waffengewalt zurück und erschossen 50 von ihnen. Doch Laszlo hat Glück: Er entkommt und findet auf einem Bauernhof Unterschlupf. Ein SS Mann entdeckt ihn allerdings, als ihm die Bäuerin gerade ein Glas Milch sowie ein Butterbrot serviert. Als Laszlo die Flucht ergreift, trifft ihn eine Kugel im Genick und zerschmettert seinen Unterkiefer. Die Wachen schleppen den Schwerstverletzten zurück in den Zug. Amerikaner stoppen den Transport. Laszlo Schwarc ist gerettet.

1946 geht er nach New York, später kommt er zurück nach Deutschland, lernt seine Frau kennen und findet in Bayern jene beiden Damen, die ihm geholfen hatten.

Die Erzählung von Leslie Schwartz war eine Zeitreise von unendlicher Tragik, aber auch eine Schilderung voller Selbstbewusstsein und zuweilen einer weisen Ironie. Am Ende gab es bei den Gymnasiasten bedrückte Gesichter und somit auch keine Wortmeldungen. Aufgeschrieben hat Zeitzeuge Schwartz seine Geschichte in seinem Buch unter dem Titel „In der Hölle von Auschwitz und Dachau.“

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