Mittwoch, 30. Juli 2014

23. Mai 2014 14:10 Uhr

Der Turmbau zu Schönesberg

Ehekirchen Im Alltag machen wir uns wie selbstverständlich keinerlei Gedanken darüber: Radios, Fernsehgeräte, Schnurlostelefone und auch Handys brauchen elektrischen Strom. Die Endgeräte elektromagnetischer Strahlen hinterfragt niemand, geht es um aber um die Basisstationen, schlagen die Emotionen sehr schnell hoch. Das Schlagwort vom Elektrosmog treibt auch die Bürger in Ehekirchen um. Und immer neue Handymasten von Mobilfunkbetreibern im Gemeindebereich sowie der geplante Sendemast für Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) im Kugelholz bei Schönesberg sorgen für Verunsicherung und Widerstand in der Bevölkerung.

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Mittels Fotomontage wurde in der Gemeinderatssitzung die Auswirkung des BOS-Masten im Kugelholz an den unterschiedlichen Standorten auf das Ortsbild simuliert. Links lugt, am vom Innenministerium bevorzugten Standort, der 40 Meter hohe Stahlgitterturm mit u-förmigem Antennenaufsatz rund zehn Meter aus dem Wald, rechts überragt der 55 Meter hohe Mast am Alternativplatz der Gemeinde die Bäume um mindestens 25 Meter. Repro: Innenministerium

So war der Auftrieb am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung enorm, der Sitzungssaal im Rathaus bis auf den allerletzten Platz besetzt. Auch die Zahl der Referenten war der Tagesordnung - Sachstandsbericht zum BOS-Mast und Gutachten über elektromagnetische Felder im Gemeindebereich - angemessen. Neben Bürgermeister Günter Gamisch hatten Roland Radler (Innenministerium, Projektgruppe DigiNet), Klaus Voichtleitner (Firma Telent, Behördenmanagement), Hans Ulrich-Raithel (Umweltinstitut München), Wolfgang Brandl (Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Neuburg) und Kreisbrandrat Erwin Pfleger Platz genommen.

Aufhänger für das geforderte Gutachten war nicht zuletzt das Ansinnen der Telekom, in einem sehr engen Suchkreis in Ehekirchen einen neuen Mast als Ersatz für den ab 2012 aufgekündigten Standort auf der Schule zu errichten. "Wir haben einen Wahnsinnsschriftverkehr geführt. Es spielen beide Themen herein und überlagern sich", fasste Bürgermeister Gamisch die Lage zusammen. Roland Radler erklärte nochmals die Eckpunkte des BOS-Projektes, das Bund und Länder gemeinsam aufbauen und zeigte Verständnis für die Nöte des Gremiums. "Wir sind uns bewusst, dass sie in der Zwickmühle sind. Die Kommune ist den Sicherheitsbehörden verpflichtet, spürt aber auch den Widerstand in der Bevölkerung."

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Klaus Voichtleitner erläuterte das Vorgehen seiner Firma bei der Suchkreisakquirierung. Die wabenähnliche Struktur des BOS-Digitalfunknetzes bedinge eine Rückkoppelung der verschiedenen Sende- und Empfangsstation. Die Lage der sogenannten Basisstation werde mit den Stationen der umliegenden Funkzellen im Regierungsbezirk und schließlich im ganzen Freistaat abgeglichen. "Alle Standorte werden abgestimmt. Das ist kein Wunschkonzert und hängt sehr von der Topografie ab", so Voichtleitner. Die Befeldung der Umgebung von den Alternativstandorten aus war simuliert worden, allerdings mit negativem Ergebnis. Deshalb sei der Mittelpunkt sehr eng gesetzt am höchsten Punkt im Kugelholz, um die Siedlungsfläche gut zu versorgen. "Im Vordergrund steht die Erreichbarkeit der Behörden und damit die Sicherheit der Bürger." Das unterstrich auch Wolfgang Brandl in einem eindringlichen Appell.

Auch wirtschaftliche Gründe bei der Standortwahl wollte Voichtleitner nicht verschweigen. Beide Alternativen einige hundert Meter weiter im Westen lägen niedriger im Funkschatten. Die Mehrkosten für einen höheren Mast und die Stromversorgung bezifferte er auf bis zu 60 000 Euro. "Das sind keine Peanuts, sondern alles Steuergelder." Der Planer bezeichnete den projektierten Standort als ideal in Bezug auf Versorgung und Distanz. "Danach würde ich mir anderswo die Finger abschlecken."

Bürgermeister Gamisch insistierte aber darauf: "Jeder Meter weiter draußen ist besser als nichts", und rief damit Hans Ulrich-Raithel, den Experten für elektromagnetische Felder, auf den Plan. "Die Immission hängt nicht nur von der Entfernung ab. Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Durch höhere Nutzerzahl und Nutzerverhalten strahlt der Mobilfunk wesentlich kräftiger, ich würde sagen zeitweise im Faktor 1:100." Das brachte Josef Meitinger (FW) auf den Plan: "Unterhalten wir uns hier also um Firlefanz im Vergleich zum Handymast, der uns droht?" Und Otto Plath fragte sich: "Die Verschiebung nach Westen ist also eher psychologischer Natur? Wie verändert sich denn die Strahlung?" Roland Radler schätzte die verringerte Immission auf den Bruchteil eines Prozents. Bürgermeister Gamisch hielt nach der geballten Information die Angelegenheit noch "nicht entscheidungsreif. Wir wollen das Beste für die Bürger. Dabei ist es mir wichtig, dass wir einen guten Dialog führen."

Das war auch das Stichwort für den Umgang mit den Mobilfunkunternehmen, die am Ort ihre Netze betreiben. Ulrich-Raithel zeigte in seinem Vortrag zum Sinn eines Gutachtens elektromagnetische Felder (Kosten: 30 000 Euro) verschiedene Taktiken auf - Konfrontation, Dialog, Bauleitplanung - und nannte Fallbeispiele. Mittels einer Immissionskarte ließen sich Auswirkung von Strahlungen von elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Felder darstellen und vergleichen, betrieb er Werbung in eigener Sache. Der Experte riet prinzipiell zum Dialog, - "die Betreiber sind kompromissbereiter geworden, die Kommunen begegnen auf Augenhöhe" - und parallel zur Bauleitplanung. Damit räumte er der Gemeinde gute Chancen ein, die Standortsuche zu beeinflussen. Bürgermeister Gamisch schloss, die verlängerte Frist zu nutzen und die Gespräche mit der Telekom sofort wieder aufzugreifen.

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