Dienstag, 21. Februar 2017

04. Oktober 2016 00:46 Uhr

Kunst

Der zweite Blick

Agnes Krumwiede stellt noch bis Ende Oktober aus Von Ilse Lauber

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Sie stellt noch bis zum 30. Oktober ihre Arbeiten im Rathausfletz in Neuburg aus: Agnes Krumwiede.
Foto: Ilse lauber

Ein junges Liebespaar an einem Herbsttag auf der Lehne einer Holzbank sitzend, umarmt sich innig, blendet die Umgebung völlig aus. Auf den ersten Blick ein Idyll. Aber nur auf den ersten. Nicht auf Anhieb wahrzunehmen sind verstörende Details: Im Hintergrund ist ein Mann mit einer Waffe zu erkennen, an der Fassade des Hauses hinter dem Pärchen ein rätselhaftes gleißendes Licht. Das Bild heißt #Paris 2015.

Agnes Krumwiede hat es gemalt, übrigens in Öl auf Korkplatte. Die 39-jährige gebürtige Neuburgerin ist Grünen-Politikerin und Pianistin und seit drei Jahren Mutter eines Sohns. Ihm ist es letztlich zu verdanken, dass sich seine Mama in den letzten zwei Jahren abends und nachts mehr dem Malen gewidmet hat als dem Klavierspielen, denn das ist lautlos und hindert nicht am Schlafen.

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42 Bilder aus dieser sehr produktiven Schaffensperiode des Multitalents Agnes Krumwiede sind seit Sonntag in der Städtischen Galerie im Rathausfletz zu sehen – allesamt sind es wert, ihnen einen zweiten Blick und auch einen dritten und vierten zu schenken.

Denn es gibt nicht nur auf dem Bild von dem Pariser Liebespaar mehr zu entdecken, als man bei oberflächlicher Betrachtung erkennt. Vieles erschließt sich erst durch den Bildtitel. Auch das Handwerkliche ist einen eingehenden Blick wert. Etliche der Arbeiten in Öl sind auf ungewöhnlichen Malgründen entstanden, wie zum Beispiel auf sogenannten OSB-Platten, die im Baubereich verwendet werden, auf Korkplatten oder auf gerostetem Blech, wie die Bilder aus der Serie „Deutsche Vergangenheit“.

Zu einem Bild aus dieser Reihe bekamen die Vernissage-Besucher in der Laudatio des krankheitshalber verhinderten Kulturredakteurs Jesko Schulze-Reimpell Hintergrundinformationen, stellvertretend vorgelesen von Kulturamtschefin Kathrin Jacobs.

Die Geschichte von einem Teddybären hatte Agnes Krumwiede zu ihrem Bild inspiriert: Ein fünfjähriger Sinti-Junge aus dem KZ Ravensbrück wurde von einem SS-Mann erschlagen, als er seinen heruntergefallenen Teddy aufheben wollte. Eine Lagerinsassin bewahrte das Plüschtier auf. Später landete es in einer Ausstellung des Konzentrationslagers. Agnes Krumwiedes Bär ist in Öl auf braunfleckiges rostiges Blech gemalt und liegt achtlos weggeworfen und damit hilflos am Boden.

Aber es gibt auch Humorvolles und einfach nur Ästhetisches zu entdecken: witzige Tierporträts, Adam und Eva, umgeben von Holzspänen auf der Platte aus Pressspan, detailgenaue Stillleben, symbolistische Szenen, aber auch etliche romantische Landschaftsbilder, fotorealistisch anmutende, aber verschwommen-unscharfe Alltagsszenen, geheimnisvoll und faszinierend. Was bleibt nach einem Rundgang durch die Werkschau? Ein bleibender Eindruck von Bildern in einer beeindruckenden Bandbreite an Themen, Stilen und Techniken - und die Überzeugung, dass man von Agnes Krumwiede noch viel Erstaunliches erwarten darf.

Die Ausstellung „Was bleibt“ ist bis zum 30. Oktober dienstags bis freitags von 17 bis 19 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

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