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02. Februar 2010 19:10 Uhr

Die Familie eines Mörders

Neuburg Kathrin Himmler weiß nicht mehr genau, wann sie das erste Mal davon hörte, dass ihr Großonkel ein Nazi-Verbrecher war. Heinrich Himmler, während des Dritten Reiches für die Vernichtung von Tausenden von Juden in Europa verantwortlich, war der Patenonkel ihres Vaters und somit auch Teil ihrer eigenen Vergangenheit. Von Barbara Feneberg

Die Politikwissenschaftlerin machte sich auf Spurensuche und fasste das Ergebnis in ihrem Buch "Die Brüder Himmler" zusammen. Gestern las sie daraus im Descartes-Gymnasium vor gut 60 Schülern im Studienseminar. Im Zuge der Recherche stieß Himmler auch auf die Stadt Neuburg. Denn der Vater Heinrich Himmlers, Gebhard Himmler, ging in Neuburg zur Schule. Im Alter von elf Jahren kam er über ein Stipendium an die Königliche Studienanstalt und legte hier 1884 ein Einser-Abitur ab. Später machte er als Pädagoge Karriere. Der deutsche Schriftsteller Alfred Andersch arbeitete Erlebnisse mit Himmler in seinem Buch "Der Vater eines Mörders" auf.

Kathrin Himmler geht es vor allem um die Frage, ob auch die restlichen Familienmitglieder Nazis waren. Ursprünglich galt Heinrich als schwarze Schaf, doch in vielen privaten Dokumenten und Briefen fand die 42-Jährige Hinweise für das Gegenteil. Auch die Brüder Ernst - Kathrin Himmlers Großvater - und Gebhardt unterstützten das Regime, waren frühe Mitglied der NSDAP, der SS und der Waffen-SS. Beide profitierten von der politischen Karriere ihres Bruders. Ernst Himmler spitzelte sogar für seinen Bruder. Die Autorin fand heraus, dass die gesamte Familie Anhänger der Nazi-Ideologie waren. Zur Beerdigung des Vaters Gebhard schickte nicht nur Hermann Göring, sondern auch Adolf Hitler einen Kranz.

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Bei ihren Recherchen stieß Kathrin Himmler nicht nur auf überraschende Details, die ihre eigene Familie in ein völlig anderes Licht rückte. Sie musste sich auch mit ihren eigenen Ängsten und Hemmungen auseinandersetzen: "Ich habe drei Jahre gebraucht, der offensichtlichen Wahrheit ins Auge zu sehen", sagt sie offen. Zwar habe sie ihren Großvater Ernst nicht persönlich gekannt - er war in den letzten Kriegswirren verschwunden und für tot erklärt worden - doch auch das Bild ihrer Großmutter veränderte sich. "Wir waren uns sehr nah", sagt die in Berlin lebende Autorin. Nach der Veröffentlichung ihres Buches 2005 zeigten sich nicht alle Familienmitglieder erfreut über das Ergebnis ihrer mühevollen Recherchen. Zwar hatte ihr niemand Dokumente oder Informationen vorenthalten. Doch die Angehörigen Gebhard Himmlers haben seitdem den Kontakt abgebrochen.

Ihrem eigenen Sohn möchte sie die Geschichte der Familie nicht vorenthalten. Zumal auch die Familie ihres Ehemanns, ein polnischer Jude, unter dem Holocaust gelitten hat. "Jetzt gilt es diese Geschichten zusammenzuführen", sagt Himmler.

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