In Irmgard Pahls privatem Kostümfundus wurde noch jeder Narr fündig.



„A’n Mozart mögen S’ machen? Da muss i’ schnell schau’n.“ Ein Mozartkostüm? Irmgard Pahl muss nicht lange überlegen, in welchem der von Faschingskostümen überquellenden Räume die Amadeus-Gewänder hängen. Flugs hat sie die passenden Kleider von einem riesigen Ständer abgenommen und auch noch die dazu gehörigen Perücken aus einem Koffer herausgefischt. „Fünf oder sechs hätt’ i’ bestimmt.“ Der Kunde am anderen Ende der Leitung atmet erleichtert auf, ist aber noch unsicher, ob seine Vorstellungen mit dem Angebot übereinstimmen. „Kommen S’ doch einfach vorbei.“
Mozart oder Elvis, Cowboy oder Scheich, Kamel oder Rabe? So schnell bringt man Irmgard Pahl, die seit über 30 Jahren in der Treidelheimer Straße in Rennertshofen einen Kostümverleih betreibt, nicht in Verlegenheit. Das ganze obere Stockwerk ihres Häuschens ist für die Ausstattung der Narren aus Rennertshofen und Umgebung reserviert. Für alle Gelegenheiten hat sie das Passende parat: egal, ob eine ganze Gruppe sich im einheitlichen Matrosen-Outfit in das Gewimmel eines Faschingstreibens werfen will oder ob ein „Faschingsmuffel“ bedient werden soll, der ein Kostüm nur deswegen anzieht, dass er ja nicht unangenehm auffällt.
Es ist für alle etwas da, von Kopf bis Fuß, für heiße Partys oder kalte Faschingsumzüge, sogar Frack und Zylinder fürs Theater. Insgesamt geschätzte 500 Kostüme mit den ganzen Accessoires sind es wohl. „Bei mir ist noch niemand weggegangen, ohne dass er etwas gefunden hätte“, erzählt sie, um sich dann schnell zu korrigieren. „Doch! Ein Pärchen zog einmal unverrichteter Dinge ab. Die konnten sich einfach nicht entscheiden“, räumt sie ein. „Aber die kamen dann am nächsten Tag wieder und haben das genommen, wozu ich ihnen gleich zu Anfang geraten hatte: Überglücklich zogen sie mit den Kostümen eines Kuhhirten und seiner zehnköpfigen Kuhherde davon.“
Begonnen hat alles damit, erklärt Irmgard Pahl, dass sie eine Sammlernatur sei: Teddybären, Puppen, persönlich erhaltene Faschingsorden. „Und Kaffeekannen, die stehen unten im Wintergarten“, fügt der Ehemann Georg hinzu, der sich lieber gar nicht verkleidet, sich höchstens mal zu einer faschingsmäßigen Kopfbedeckung überreden lässt. Überall hängen die Eroberungen jahrelanger Sammelleidenschaft, ganze Arsenale von Kopfbedeckungen liegen vom Staub geschützt in großen Schachteln. Irmgard Pahl herrscht souverän über das scheinbare Chaos.
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