Rennertshofen-Ammerfeld "Dieses Monster macht uns kaputt!" Der Burgmannshofener Landwirt Erich Weigl ist nicht der einzige, der nach drei Stunden Diskussion frustriert seinem Ärger Luft macht. Im brechend vollen Feuerwehrhaus in Ammerfeld haben sich am Montagabend Bürger aus Ammerfeld, Kienberg und Burgmannshofen darüber informieren lassen, wie und von wem die Geräuschimmission des Windrades gemessen wird. Die Abschlussmessung soll endgültig Klarheit darüber geben, ob das Windrad nun tatsächlich zu laut ist oder nicht. Von Claudia Stegmann

Darüber haben die Anwohner allerdings keine Zweifel. Das Windrad - ihrer Meinung nach viel zu groß und viel zu nahe an die Orte gebaut - raubt ihnen den Schlaf, stört ihre Ruhe und macht sie nervlich kaputt. Weil Wind und Wetter die Lautstärke beeinflussen, seien die Geräusche zwar nicht immer zu hören, doch oft genug, um von Lärmbelästigung zu sprechen. Aus diesem Grund klingt es für die Zuhörer wie eine Farce, wenn Landratsamts-Juristin Sandra Bügelsteiber davon spricht, dass nach den bisherigen Messungen "keine erheblichen Belästigungen" vorliegen.
Von Gerichtsurteilen und gesetzlichen Vorgaben lassen sich die Menschen in den Bergdörfern ohnehin nicht beeindrucken. Für sie zählt nur, was sie hören. Selbst ein Kienberger, der nach eigenen Worten schwerhörig ist, empfindet die Anlage als zu laut und vergleicht die Geräusche mit einem kreisenden Hubschrauber. Dass es dabei nach den Worten von Reinhold Krämer, der beim Landratsamt für den Immissionsschutz zuständig ist, einen Unterschied zwischen subjektivem und objektivem Hören gibt, wollen die Bürger nicht gelten lassen. Solche Anmerkungen sind es, die sie an der Glaubwürdigkeit der Messergebnisse zweifeln lassen. "Das Ergebnis steht doch jetzt schon fest!", ist sich einer der Zuhörer sicher und erntet dafür zustimmenden Beifall.
Bewohner dürfen Messstandorte bestimmen
Dass dem jedoch nicht so ist, wollte Ingenieur Reinhard Wunderlich deutlich machen - mit mäßigem Erfolg allerdings. Er arbeitet für eine Ingenieurgesellschaft in Bayreuth und wird im Auftrag des Landratsamtes die Messungen durchführen. Sein Ziel ist es, unter idealen Wind- und Wettervoraussetzungen den "worst case", also den schlimmstmöglichen Fall, zu erwischen. Da er die Messungen jedoch mit dem Landratsamt und dem Betreiber absprechen muss (die Anlage muss zu diesem Zeitpunkt auf voller Leistung laufen sowie anschließend für Vergleichsdaten abgeschaltet werden), kann es "sehr lange dauern", bis er verwertbare Ergebnisse vorliegen hat. Weil jetzt im Winter ohnehin nicht gemessen werden kann, geht es frühestens im Frühjahr los.
Von einer von den Bürgern geforderten Langzeitmessung rät Wunderlich allerdings ab. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die in der Regel keine verwertbaren Ergebnisse liefere. Dafür hat das Landratsamt den Anwohnern angeboten, bei der Bestimmung der Messstandorte mitzureden. In den nächsten vier Wochen sollen insgesamt acht Messpunkte vorgeschlagen werden.
In die Höhle des Löwen haben sich am Montagabend auch Betreiber Erich Kugler mit Sohn und Ehefrau gewagt. Die Diskussionen um das Windrad empfindet er als deprimierend. "Man sitzt wie auf einer Anklagebank, obwohl einem das Gesetz recht gibt", sagte er im Gespräch mit der NR. Den Ergebnissen der Abschlussmessung sieht er allerdings optimistisch entgegen.
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