45-jähriger Münchener soll Stieftochter der Lebensgefährtin über zwei Jahre hinweg missbraucht haben
Ingolstadt Immer wieder soll er die Nächte im Bett seiner Stieftochter verbracht haben, mindestens 24 Mal in zwei Jahren soll sich der 45-jähriger Münchener dabei auch an dem Mädchen – damals zwischen neun und elf Jahre alt – vergangen haben. Das jedenfalls wirft die Staatsanwaltschaft dem Kraftfahrer vor. Ein Geständnis wollte der aber gestern vor dem Landgericht Ingolstadt nicht ablegen: „Warum soll ich was zugeben, was nicht ist?“ Mehr hat er nicht gesagt.
Nun muss die Jugendkammer unter Vorsitz von Sibylle Dworazik an den beiden kommenden Verhandlungstagen die Frage klären: Lügt der Angeklagte oder lügt das Mädchen?
Die heute 18-Jährige aus Pfaffenhofen wird von allen Seiten als „fleißig, nett und höflich“ (Ex-Chefin), als „rechtes Mädchen“ (Vater), aber auch als sehr verschlossen beschrieben. Erst unter Tränen hatte sie ihrem Freund Jahre später von den Übergriffen erzählt. Zur Polizei wollte sie aber nicht. „Aus Angst vor dem Stiefvater“, sagt der Freund. Zuvor hatte schon der leibliche Vater, der sich vor vielen Jahren von der Mutter getrennt hatte, von den Missbrauchsfällen erfahren, war mit seiner Tochter, als die knapp 16 Jahre alt war, bei einer Beratungsstelle und einer Opferanwältin. Doch auch damals machte sie einen Rückzieher und wollte den Stiefvater nicht anzeigen: „Sie hatte Angst, dass ihre Halbschwester ohne Vater dasteht, wenn er ins Gefängnis muss.“ Der Auslöser für die Anzeige war erst ein weiterer Vorfall Anfang vergangenen Jahres: Damals wurde das Mädchen von einem Unbekannten auf dem Nachhauseweg von ihrer Arbeit auf dem Pfaffenhofener Volksfestplatz belästigt. Doch auch hier brachte erst ihre damalige Chefin den Stein ins Rollen, als sie zur Polizei ging. Immerhin: Das Verhältnis von Tochter und Stiefvater wirft viele Fragen auf. „Die hat nie Angst vor ihm gehabt, die hat ihn immer gemocht“, sagte gestern der Vater. Selbst nach der Trennung von der Mutter hatte ihr der Kraftfahrer noch wertvolle Geschenke gemacht, unter anderem einen Hund. Aber genau der, erzählte der Freund des Mädchens, sollte nichts anderes sein als eine Art Schweigegeld: „Die Mutter hat den Stiefvater angerufen, ob er nicht den Hund kaufen könne, um das alles zu vergessen.“ Verteidiger Tom Heindl (München) spricht deshalb von „eiskalter Erpressung“ und sieht die Mutter als mögliche Drahtzieherin hinter der Missbrauchsgeschichte. Am Montag soll das angebliche Opfer aussagen. Wenn nicht vorher der Angeklagte doch noch ein Geständnis ablegt. (rilu)
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