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29. März 2010 18:45 Uhr

Eine ganz und gar unehrenwerte Gesellschaft

Ingolstadt Sie sieht nicht aus wie eine Frau, die sich in italienischen Dörfern herumtreibt, in denen Verkehrsschilder von Maschinengewehrsalven durchlöchert sind. Und doch ist die Journalistin Petra Reski, groß und blond, eine Expertin, wenn es um die italienische Mafia geht. Jetzt sprach sie in der Reihe audi.torium im Museum mobile über ein Leben ganz nah dran an den Bossen. Und über ein Leben, beschattet von der Bedrohung.

Die Geschichte fing an, als wäre sie einem Klischee entsprungen. Petra Reski las den "Paten", "das war damals Mode", sagt sie. Bald drauf setzte sie sich mit dem Freund hinters Steuer, es ging von Kamen nach Corleone. Doch von der erwarteten Mafia-Folklore - keine Spur. Die junge Frau war enttäuscht und fuhr lieber ans Meer.

Doch das Thema ließ sie nicht los. Als Journalistin drang sie ein in die innersten Kreise der Clans, war Gast auf der Hochzeit einer Mafia-Anwältin und ließ sich von Mördern bewirten, immer wissend: Alle Bosse suchen die Nähe zu Journalisten, sie wollen sich präsentieren als die Netten und Unschuldigen.

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Sie sprach mit Fahndern, mit Staatsanwälten. Und sie hat ein komplexes Bild gewonnen von dieser scheinbar so "ehrenwerten Gesellschaft". "Es gibt Mafiosi, die sehen super aus", sagt Reski. Und gleichzeitig sind sie so unvorstellbar kaltblütig: "Ein Mafiosi mordet wie ein Wandanstreicher, der eine Wand anstreicht." Ohne Reue, ohne Emotion. Für sein Volk, für eine höhere Macht. Ein Mafiosi geht beten, morden, essen. Das ist die Reihenfolge.

Die Gesellschaft der Mafia mutet archaisch an

Es ist eine Gesellschaft, die archaisch anmutet mit all ihren Ritualen und den scheinbar perfekten Morden. Die fast folkloristisch wirkt. Und doch: Die Mafia ist noch heute überall, sagt Reski. Überall, wo es Geld zu machen gibt. Auch in Deutschland. Die Morde von Duisburg haben es blutig vor Augen geführt. Schutzgelderpressung, das ist schon längst nicht mehr ihr einziges Terrain. Die Mafia mischt mit im Immobiliengeschäft, im Baugeschäft. Und in der Politik. In Italien, aber nicht nur dort. Anfang der 90er, so schien es, war ein Sieg über die Mafia nur noch eine Frage der Zeit. Es gab mutige Staatsanwälte, mutige Bürgermeister. Einige sind heute tot. Die Mafia lebt, trotz mancher spektakulärer Verhaftung. Das engmaschige gesellschaftliche Netz, die undurchdringlichen Familienbande, das sind ihre Stärken.

Petra Reski hat sich auf gefährliches Terrain begeben mit ihren Recherchen. Sie musste Stellen in ihrem Buch schwärzen und Schlimmeres: Es gab unmissverständliche Drohungen bei einer Lesung in Erfurt. Die Folge: Petra Reski liest unter Polizeischutz.

Nach diesen beklemmenden Aussagen tut es vielleicht so mancher Zuschauer der Autorin gleich: Ist sie in Deutschland, isst sie lieber Nürnberger Rostbratwürste als Pizza. (rilu)

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