Ingolstadt Mehr als 65 Jahre nach Kriegsende nimmt die deutsche Justiz weitere mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher ins Visier. Darunter auch einen Ingolstädter: Der gebürtige Niederländer Klaas Carel Faber lebt seit vielen Jahren zurückgezogen im Piusviertel. Von Luzia Riedhammer
Zwar war Faber wegen der Ermordung von 22 Menschen in den Niederlanden zum Tode verurteilt worden, doch das Urteil wurde 1948 in eine lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt. "Der Demjanjuk aus Ingolstadt", wie er in einem Bericht bezeichnet wird, soll Aufseher in Westerbork gewesen sein, wo Nazis holländische Juden für den Weitertransport in die Konzentrationslager zusammengetrieben haben, außerdem gehörte er dem SS-Sonderkommando Silbertanne an, das Widerstandskämpfer getötet hat.
Bis zum Jahr 1952 saß Faber in Haft, doch nach einer spektakulären Flucht zwei Tage nach Weihnachten zusammen mit sechs weiteren Mitgefangenen war er in Deutschland untergetaucht. Seit 1961 lebt er unauffällig in Ingolstadt, Journalisten hatten ihn dort vor einigen Jahren aufgespürt und herausgefunden: Er ist Vater von drei Söhnen und hat bei der damaligen Auto Union im Büro gearbeitet. Immer wieder hatten die Behörden versucht, den heute 88-Jährigen juristisch zur Verantwortung zu ziehen, doch Faber kam nie wieder ins Gefängnis. Schon zwei Tage nach seiner Flucht verlangten die Niederlande die Auslieferung. Doch als Freiwilliger bei der Waffen-SS war Faber automatisch zum Deutschen geworden - und durfte daher nicht ausgeliefert werden. In den 50er Jahren schließlich landete der Fall beim Landgericht Düsseldorf. Doch zu einem Verfahren war es nie gekommen: Die Beweislage sei zu dünn, hieß es. Weitere Ermittlungen der Staatsanwaltschaften Ingolstadt und München brachten Faber ebenfalls nicht hinter Gitter.
Nun startet Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger einen neuen Versuch. Juristen sollen nun die Düsseldorfer Entscheidung detailliert prüfen und insbesondere die Frage der Sperrwirkung klären. Das Landgericht Aachen hatte erst im März 2010 einen Ex-SS-Mann, der ebenfalls dem Kommando Silbertanne angehörte, zu lebenslanger Haft verurteilt. Klaas Carel Faber steht auf der Liste der zehn meistgesuchten Kriegsverbrecher auf Platz fünf. »Politik
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