Für Holzbock, Holzwurm, Messingkäfer, Trotzkopf, Speckkäfer und Wanzen sind die fetten Jahre in dem herrschaftlichen Anwesen gezählt. Heute und morgen wird ihnen mit Sulfuryldifluorid der Garaus gemacht. Dieses farb- und geruchlose Gas wird überwiegend zur Bekämpfung von Holzschädlingen eingesetzt - und das ist auf Schloss Bertoldsheim dringend notwendig.
200 Fenster wurden abgeklebt
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Drei Tage lang haben vier Männer einer Materialschutzfirma aus Lauf 200 Fenster mit einer gasdichten Folie abgeklebt. Damit das Gas nicht in den Keller oder über die Kamine nach außen gelangen kann, mussten sämtliche Kaminrohre abgebaut und abgedichtet sowie Heizungsleitungen verklebt werden. Auch durchgebrochene Decken und Böden wurden mit der Folie versiegelt. Denn neben dem Keller darf das Gas auch nicht in den Dachboden ziehen. Dort wüten nach den Worten des Schlossbesitzers die Holzschädlinge zwar am meisten. Doch eine Bekämpfung dort mache erst Sinn, wenn der Dachstuhl repariert worden sei. Und das wird erst 2012 der Fall sein.
Das Gas strömt über drei Schläuche von außen in die Räume. Dort sorgen 35 Ventilatoren dafür, dass das Gift gleichmäßig verteilt wird. Zwischen 40 und 45 Stunden muss es dann einwirken, die Giftgaskonzentration ist dabei ständig messtechnisch von der Firma überwacht. Während dieser Zeit darf absolut niemand das Gebäude betreten. Selbst der Schlossbesitzer musste seinen Schlüssel an die Firma abgeben. Auch alle umliegenden Nachbarn wurden über das Vorhaben informiert.
Dass die Begasung des Gebäudes eine absolute Notwendigkeit ist, zeigen die vielen kleinen Holzstaubhäufchen und die zahllosen kleinen Löcher auf dem Boden oder den Möbeln - die Hinterlassenschaften des Holzwurms. "Wir müssen die Schäden jetzt stoppen", machte der Schlossherr beim Rundgang durch die Räume deutlich. Dort und auf den Fluren türmen sich Kisten um Kisten, in denen der Kunstsammler die Exponate seines völkerkundlichen Museums verstaut hat.
Sanierungskosten haben sich verdreifacht
Das Gas schadet den Ausstellungsstücken nicht. Im Gegenteil: In den afrikanischen Masken, den ausgestopften Zebras oder der Käfersammlung können sich ebenfalls Motten eingenistet haben, die damit im selben Atemzug abgetötet werden.
Rund 50 000 Euro kostet die Schädlingsbekämpfung, die vom Denkmalamt, dem Bezirk Oberbayern und dem Landratsamt bezuschusst wird. "Peanuts" im Gegensatz zu den Ausgaben, die dem neuen Eigentümer nächstes Jahr bevorstehen. Dann dann soll die komplette Schlossaußenmauer saniert werden. Dazu muss die durch Wind und Wetter marode gewordene Außenhaut abgetragen werden, damit sie von innen aufgefüllt werden kann. Teilweise wird auch ein Abriss der insgesamt 400 Meter langen Natursteinmauer notwendig werden. Eine Million Euro wird das Projekt kosten und damit 30-mal mehr, als ursprünglich beim Kauf des Schlosses angenommen.
Insgesamt steigen damit die geschätzten Sanierungskosten des Schlosses auf einen knapp zweistelligen Millionenbetrag, wie der Schlossbesitzer erklärte.







Claudia Stegmann
















