Zufrieden schaute Kommodore Andreas Pfeiffer gestern Nachmittag. Kein Wunder, hatte er doch von Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung ein dickes Lob bekommen. "Ich habe einen sehr guten Eindruck vom Jagdgeschwader 74", so der Minister bei seinem gestrigen Besuch im Fliegerhorst. Von Barbara Feneberg



Großaufgebot gab es gestern am Jagdgeschwader - ein Großaufgebot an Journalisten. Mit einer Transall flogen die Berliner Medienvertreter in Neuburg ein. Der Minister selber landete - weil er anschließend nach Greding weiterreiste - in einer kleinen Challenger.
Der Hintergrund des Ministerbesuches war klar: Vor gut einem Monat hatte das Jagdgeschwader sich komplett auf den Eurofighter umgestellt. Zehn der modernen Jagdflugzeuge sind derzeit tatsächlich im Betrieb, weitere folgen. Jetzt wollte sich Jung persönlich ein Bild davon machen.
Sein Fazit nach gut drei Stunden in Neuburg - am kleines NATO-Flughafen - viel äußert positiv aus: Die Phase der Umstellung von der Phantom F4 auf den Eurofighter sei sehr gut bewerkstelligt worden. Sowohl Piloten als auch die Technik würden gute Arbeit leisten. "Sie erfüllen hier eine sehr wichtige Aufgabe", sagte Jung.
Doch auch im Jagdgeschwader nutzte man die Gelegenheit, dem Minister die bestehenden Anliegen zu erläutern. Über eine Stunde nahm sich Jung für das Gespräch mit Soldaten, Angehörigen und dem Personalrat des Geschwaders Zeit. Bei einem Teller Erbseneintopf ging es um ganz praktische Dinge, wie die Situation in den Unterkünften, aber auch um Grundlegendes. Franz Bartl, frisch wiedergewählter Vorsitzender des Personalrats, hakte zum Thema Stellenabbau nach. In Neuburg sollen von den zivilen Beschäftigten 42 Arbeitsplätze abgebaut werden. Die Sorge, es könnten noch mehr werden, entkräftete der Minister aber.
Die Zeitsoldaten erklärten, sie wünschten sich mehr Fördermöglichkeiten und mehr Stellen als Berufssoldaten. Jung wiederum befragte die Eurofighter-Piloten nach dem Verlauf der Fliegerumschulung und den Erfahrungen im Cockpit.
"Es ist ein Zeichen für uns, dass Sie uns so kurz nach der Umstellung auf den Eurofighter besuchen", sagte Kommodore Andreas Pfeiffer. Zentrale Aufgabe des Jagdgeschwaders sei die Bereitstellung der Alarmrotte. Jeweils zwei Eurofighter sind in Rufbereitschaft und innerhalb von 15 Minuten einsatzbereit. Zwei weitere sind in Reserve.
Wie das aussieht und vor allem, wie sich das anhört, erlebte der Minister unmittelbar im Anschluss. Aus sicherer Distanz am Rande der Startbahn verfolgte Jung, wie die Jagdflugzeuge in den Himmel jagten - und hielt sich dabei die Ohren zu. "Ich bewundere die Piloten, die mit dieser Maschine umgehen können", sagte er nach kurzem Probesitzen im Eurofighter. Tom Koller - einer der ersten Eurofighter-Piloten überhaupt - hatte ihm zuvor einige Details erklärt.
Mit einem Exemplar des modernen Kampfflugzeugs im Rücken blieben natürlich auch die Fragen nach möglichen Einsätzen aus. Angesichts der jüngsten Anschläge in Kabul und zweier verletzter deutscher Soldaten in Kundus sprach Jung von einer "verschärften Sicherheitslage" in Afghanistan. Die Anschläge auf Zivilisten seien "perfide".
Auf die Frage, ob Jung befürworte, dass das Jagdgeschwader 74 wieder seinen alten Beinamen "Mölders" tragen sollte, sagte der Minister: "Das war die Entscheidung des Bundestages und dabei sollte es bleiben." Auch wenn es für ihn keine Zweifel an den fliegerischen und militärischen Fähigkeiten Werner Mölders gegeben hätte. Bis 2005 war das Jagdgeschwader nach dem Piloten im Zweiten Weltkrieg benannt gewesen. Kurz bevor Jung dann in seinen Helikopter stieg überreichte er Kommodore Pfeiffer noch das Abzeichen des Ministeriums und bekam dafür eines des Jagdgeschwaders.
Bilder vom Besuch des Ministers finden Sie bei uns im Internet unter
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