Neuburg Der wohl spektakulärste "Mordfall" in der Nachkriegsgeschichte der Region wird die Justiz noch einmal beschäftigen: Das Landgericht Landshut hat entschieden, dass der Tod von Rudi Rupp in einem neuen Prozess aufgearbeitet werden muss. Rupps Ehefrau Hermine sagte nur "Super!", als sie die Nachricht von der Wiederaufnahme hörte. »Bayern Seite 5 »Kommentar Von Harald Jung


Sie und der Freund der älteren Tochter waren nach Einschätzung der Jugendkammer am Landgericht die Haupttäter. Beide wurden wegen Totschlag zu achteinhalb Jahren verurteilt, die Töchter von Hermine Rupp wegen Beihilfe. Die Töchter sind längst frei, die Mutter inzwischen auch. Wenige Wochen zuvor hatte ihr Ingolstädter Rechtsanwalt Klaus Wittmann Antrag auf Wiederaufnahme gestellt. Noch in Haft war dagegen Matthias E., der Rudi Rupp nach Auffassung der Kammer und deren Ersturteil erschlagen, seine Leiche danach zerstückelt und den Hofhunden zum Fraß vorgeworfen haben soll. Seit Rudi Rupps Leiche samt Mercedes aus der Donau gefischt wurde, ist allgemein bekannt, dass es nie und nimmer so gewesen sein kann.
Die Justiz - inbegriffen die Ingolstädter Staatsanwaltschaft - reagierte umgehend auf die Entscheidung in Landshut und ordnete nun auch unverzüglich die Freilassung von Matthias E. an. Der wäre im Grunde längst ein freier Mann, weil er den üblichen Straferlass nach Verbüßung von zwei Dritteln haben hätte können, doch das wollte er nicht. Matthias E. hat inzwischen ebenfalls Antrag auf Wiederaufnahme gestellt.
"Rechnen musste man damit, nachdem das Oberlandesgericht den ersten Beschluss in Landshut aufgehoben hat", sagte Ingolstadts Leitender Oberstaatsanwalt Dr. Helmut Walter zu dem Fall. Schon aus der ersten (damals ablehnenden) Begründung der Kammer in Landshut habe man lesen können, "dass die sich dort sehr, sehr intensiv mit der ganzen Geschichte auseinandergesetzt haben". Walter und seiner Behörde sind nun allerdings die Hände gebunden, was das neue Verfahren anbelangt, denn nun liegt alles in der Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft in Landshut.
Die muss den Fall neu aufrollen. Danach erst wird entschieden, ob überhaupt eine Anklage erhoben wird. Davon geht man in Ingolstädter Justizkreisen zwar aus, aber gesichert ist dies keineswegs.
Darauf verweist auch Hermine Rupps Anwalt Klaus Wittmann, der in den Raum stellt, ob die Anklagebehörde in Landshut tatsächlich hinreichende Gründe für einen neuen Prozess mit einer Anklage gegen eben jene Personen sieht, die einst in Ingolstadt vor Gericht standen. "Jetzt fangen wir bei Null an. Die Staatsanwaltschaft muss erst mal einen wie immer gearteten Tatnachweis führen. Zwar gibt es Indizien und alte Geständnisse, aber die wurden bekanntlich zurückgenommen. Das alles wird eine sehr spannende Geschichte", sagte Wittmann. Der erfuhr von der Wiederaufnahme übrigens bei einem Kurzurlaub in Paris und stand vor dem Eiffelturm, als das Handy klingelt. Er nahm Symbolkraft daraus: "Jetzt geht es weit nach oben!"
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