Gravierende Brandschutzmängel im Neubau. Morgen wird die Lage erörtert Von Barbara Würmseher

Hiobsbotschaft für das Descartes-Gymnasium: Die ohnehin unter Dauer-Raumnot leidende Schule muss – wie es aussieht – so bald wie möglich den nahezu kompletten Westtrakt räumen, der erst 1995/96 gebaut worden ist. Der Brandschutz lässt dort mehr als zu wünschen übrig, wie Gutachter festgestellt haben. Fast alle der dortigen 30 Klassen- und Fachzimmer sollen daher in Container ausgelagert werden, mit Ausnahme der naturwissenschaftlichen Räume im Erdgeschoss, die vorerst bleiben dürfen. Dort kann man im Brandfall die Fenster als Fluchtwege nutzen.
Geschlossen sind jetzt bereits zwei der drei Turnhallen – beide um die 40 Jahre alt – sowie die Tiefgarage. Vermutlich soll die weitere Räumung der drei Obergeschosse dann nach den Pfingstferien beginnen, so denn geeignete Container auf die Schnelle überhaupt zur Verfügung stehen.
Der Katalog an Mängeln ist umfangreich, umfasst drei Din-A-4-Seiten. Was im Einzelnen nicht in Ordnung ist, werden sowohl der Kreistag, als auch Schulleitung und Elternschaft am heutigen Samstag in einer Krisensitzung erfahren. Unter anderem geht es um das Dach der Turnhalle, das keinerlei Widerstand gegen Feuer aufweist. Bemängelt werden auch fehlende Fluchtwege, ungeeignete Verglasung, nicht vorhandene Brandabschottung von Kabelleitungen, fehlerhafte Rauchabzugsanlagen und vieles mehr. „Die Versäumnisse sind sehr alt und reichen weit zurück“, so Landrat Roland Weigert.
Schulleitung und Elternbeirat fühlen sich in der Art und Weise des Vorgehens vor den Kopf gestoßen. „Seit vielen Jahren sind die Mängel bekannt, jetzt muss von heute auf morgen etwas passieren“, monierte Elternbeirats-Vorsitzende Angelika Habelt. Natürlich stehe der Landrat durch das vorliegende Gutachten in Zugzwang, doch sei die gesamte Vorgehensweise, dieses Hau-Ruck-Verfahren, ohne Abstimmung mit der Schulleitung „sehr unklug gelaufen“. Die Elternschaft hofft nun, dass doch ein gewisser Handlungsspielraum möglich ist.
Oberstudiendirektor Franz Hofmeier ist perplex, „dass wir in den Prozess der Entscheidung nicht einbezogen wurden“. Wie es heißt, ist Hochbauleiter Franz-Josef Simon am Mittwoch, zwei Tage vor Beginn der gestrigen Abiturprüfungen, bei Hofmeier erschienen, um ihn mit der Schließung des Westtrakts zu konfrontieren. „Ich weiß nicht, auf welchem Vulkan ich sitze.“
Noch nicht kalkulierbar sind derzeit die Dauer der Evakuierung und die Kosten. Beides dürfte immens sein. Im Raum stehen eine zweijährige Planungszeit und weitere zwei Jahren Bauarbeiten – also vier Container-Jahre für Schüler und Lehrer. Im schlimmsten Fall aber droht dem Descartes-Gymnasium der Entzug der Betriebserlaubnis, wenn der Versicherungsschutz nicht mehr gegeben ist.
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