Etwas Böses kann er eigentlich nicht angerichtet haben. Trotzdem war der alte Dackel irgendjemandem im Wege. Am Dienstagmorgen fand Tierarzt Dr. Konrad Meier den Hund vor den Toren des Tierheims, angebunden an einer Mülltonne.

Wie Gerhard Schmidt, Vorsitzender des Tierschutzvereins Neuburg-Schrobenhausen, berichtet, handelt es sich hierbei nur um eine von vielen Tieraussetzungen, mit denen das Tierheim vermehrt zu tun hat.
Recht traurig schaut er drein, der alte Dackel-Herr. Aber egal ob Mensch oder Tier, wer gewöhnt sich schon gerne in hohem Alter noch an eine neue Umgebung. Der Dackel wird es müssen. Sein Besitzer hat den betagten Hund am Dienstagmorgen direkt vor den Toren des Tierheims in der ehemaligen Standortschießanlage im Wald bei Riedenheim ausgesetzt. Aber vielleicht war es auch gar nicht der Besitzer.
Schmidt steht die Wut ins Gesicht geschrieben. "Oft lebt ein solch greiser Hund bei einem alten Menschen. Der muss dann ins Krankenhaus oder Altersheim. Oder er ist gestorben. Der Hund ist den Angehörigen dann oft im Weg." Dass ein Tier einfach ausgesetzt wird, empfindet Schmidt nicht nur als eine Sauerei. "Es ist auch ein Straftatbestand."
Immer öfter erlebt der Tierschützer, dass Tiere einfach ausgesetzt werden. Da stößt eine Angestellte des Tierheims eher zufällig auf 15 zahme Ratten, die in ein Abflussrohr in der Nähe eines Wertstoffhofes im Süden Neuburgs gekippt wurden. Da finden Passanten im Wald bei Gietlhausen einen Käfig mit einem verhungerten Hamster. Und eine Frau gibt als vermeintliche Finderin einen Hund bei der Polizeiinspektion Neuburg ab. Schnell stellt sich heraus, dass sie die Besitzerin des Tieres ist, das sie nur möglichst kostengünstig loswerden wollte.
"Solche Fälle werden immer mehr. Dabei kann man mit uns jederzeit sprechen. Wir holen Tiere 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche ab." Natürlich koste das Geld, so Schmidt. "Aber wir sind die Letzten, die auf Begleichung der Rechnung bestehen, wenn das finanziell für einen Menschen oder eine Familie gerade nicht möglich ist." Andererseits sieht Schmidt nicht ein, dass er auf Kosten sitzenbleibt, die die Hundebesitzer sehr wohl tragen können. "In einigen Tagen beginnt ein Prozess, weil ein Hundebesitzer partout die Pflegekosten für seinen entlaufenen Hund nicht zahlen will." Dabei gehe es um 78 Euro.
Das Geld sieht Schmidt mit als Hauptgrund, dass Haustiere einfach am Straßenrand zurückgelassen werden. "Und eine gewisse Wurstigkeit. Der andere wird's schon richten." Dabei geht es Schmidt gar nicht darum, dass er die verlassenen "Freunde des Menschen" nicht aufnehmen will. Vielmehr könnte eine vorherige Absprache den Aufwand des Tierheims gewaltig senken. "Man kann mit uns über alles reden. Aber es ärgert mich, wenn jemand zwei Katzen bei uns am Tag seines Umzugs abgibt, die weder geimpft noch kastriert sind. Würde die Übergabe zwei Wochen vorher mit uns abgesprochen, könnten die Katzen entsprechend vorbereitet ins Tierheim kommen."
Denn 14 Tage nach einer Impfung sind Katzen hoch gefährdet, sich mit Krankheiten zu infizieren. "Oft sterben sie nach einigen Wochen im Tierheim." Schmidt möchte einfach, dass die Tierbesitzer die Nöte des Tierheims verstehen und dessen Leistung auch anerkennen.
Und wenn er schon dabei ist, möchte der Tierschützer vor Hunden aus dem Ausland warnen. "Oft bringen Urlauber oder Organisationen dem Tod geweihte Hunde aus dem Ausland nach Deutschland und sind dann mit deren Unterbringung und Pflege überfordert. Wenn ihnen nichts mehr einfällt, bringen sie diese Tiere zu uns."
Schmidt würde sich bei solch guten Taten ein bisschen mehr Voraussicht und einen professionelleren Umgang mit diesen oft schwierigen und nicht sozialisierten Tieren wünschen.
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