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18. Mai 2010 04:57 Uhr

Keine Ausreden mehr für Schulschwänzer

Neuburg Bauchweh, Schwindelgefühl und Kopfschmerzen können erste Anzeichen für eine Grippe sein. Doch manchmal sind die Symptome einfach eine gute Ausrede nicht in die Schule zu müssen. Das trifft auf gut 20 Prozent der Patienten zu, die in der Kinder- und Jugendpsychatrie an den Kliniken Sankt Elisabeth behandelt werden. Nach Aussage des stellvertretenden Leiters der Psychatrie, Dr. Harald Indrich, handelt es sich dabei um systematische Schulverweigerer. Mit einem neuen Projekt möchte der Psychologe die Schulverweigerer wieder in den Unterricht bringen.

Kaffeetrinken mit den Freundinnen statt Unterricht - wird aus Schuleschwänzen eine echte Verweigerungshaltung, steckt meist mehr dahinter als reine Unlust auf Schule. Foto: Sybille Seidel-Cesare
Foto: Sybille Seidel-Cesare

Nicht jedes Kind, das nicht in die Schule will, hat psychosomatische Probleme. Doch oft ist es schwer, die wahren Gründe für Schulverweigerung zu erkennen. Ab September werden Mitarbeiter der Jugendpsychatrie gezielt zu Kindern, die nicht in die Schule wollen, nach Hause gehen. Hat es Angst vor Leistungsdruck? Gibt es Probleme in der Familie? Oder braucht es professionelle Hilfe? Indrich geht davon aus, das landkreisweit etwa 60 Kinder die Schule für längere Zeit schwänzen.

Das bestätigen auch die Zahlen des Landratsamtes. Im Falle einer dauerhaften Schulverweigerung muss ein Bußgeld bezahlt werden, der Bescheid dazu kommt aus dem Ordnungsamt des Landkreises. Durchschnittlich 60 solcher Briefe wurden seit 2007 pro Jahr verschickt. 2010 waren es bereits 15. Betroffen sind vor allem Förderschulen, Volksschulen, Berufsschulen und Hauptschulen.

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Dieses System funktioniert allerdings nur bei Jugendlichen, die offen zugeben, dass sie einfach nicht in die Schule gehen. Seit 2008 gab es allein an der Hauptschule 22 Kinder, die über zehn Tage lang den Unterrichtsbesuch verweigerten. Bleibt ein Kind unentschuldigt zu Hause, geht Schulsozialarbeiter Markus Bach selbst zu den Jugendlichen und schmeißt sie aus dem Bett. "Das ist für viele Kinder sehr heilsam", sagt er. Kommt das Kind nicht in die Schule, wird die Polizei verständigt, der Bußgeldbescheid flattert ins Haus. Sperrt sich der Jugendliche dagegen, muss er vor den Richter.

Schwieriger wird es für Schulen, wenn die Jugendlichen Krankheit vorschieben. Der Trick: Ständig wechselnde Ärzte schreiben Atteste, die der Schule vorgelegt werden. Das Kind ist entschuldigt, die Rektoren haben keine rechtliche Grundlage das Kind an seine Schulpflicht zu erinnern. Die Eltern wissen in der Regel Bescheid, doch der Hausarzt weiß nicht, das der junge Patient schon bei anderen Kollegen war. "Hier fehlt es an Information und Vernetzung", sagt Indrich. Deshalb will das Projekt der Kliniken auch hier handeln.

Der Hintergrund für die "Dauerkrankheit" kann unterschiedlich sein: Leistungsdruck, Mobbing durch Mitschüler oder familiäre Probleme. Bei letzterem sieht Hans Peter Karl, Schulleiter der Paul-Winter-Realschule die Eltern in der Pflicht, das Gespräch zu suchen. "Das ist ein schleichender Prozess und uns fällt auch nicht gleich auf, dass das Kind immer häufiger krank ist", sagt Karl. Wüsste die Schule, was daheim los ist, könne man bis zu einem gewissen Grad Rücksicht nehmen.

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