Seit eineinhalb Jahren befürchtet Neuburgs Kinderklinik Konkurrenz im Nachbarlandkreis. Jetzt ist sie wohl nicht mehr zu verhindern. Von Barbara Feneberg

Seit November 2009 fürchten die Verantwortlichen an den Kliniken St. Elisabeth, dass im Nachbarlandkreis Konkurrenz entsteht. Und diese Gefahr droht mehr denn je. Denn Bayerns Gesundheitsminister Dr. Markus Söder hat der Ilmtalklinik in Pfaffenhofen zugesagt, sich für deren kindermedizinische Abteilung einzusetzen. Fünf stationäre Betten könnten dort die „Grundversorgung“ sichern.
Für Pfaffenhofen ist die Zusage des Ministers ein Sieg im lange währenden Kampf um die eigene Kinderabteilung. Für Neuburg hingegen ist sie ein Schlag ins Gesicht. „Das ist völlig unsensibel und fast schon geschmacklos, wie man sich hier gegenüber dem Orden St. Elisabeth verhält“, sagt Landrat Roland Weigert (FW) gegenüber der NR. Denn eigentlich hatte man auf eine Entscheidung des zuständigen Gremiums in München, dem Krankenhausplanungsausschuss, gewartet. Der verschob in seiner letzten Sitzung das Thema auf den 28. November. Zwischenzeitlich haben zwei Kinderärzte ihre Zulassung für den Landkreis Pfaffenhofen erhalten. Sie werden zum 1. Oktober an der Ilmtalklinik eine Praxis eröffnen. Noch im Februar hatte das Gesundheitsministerium die eigenständige Arztsuche des Kreiskrankenhauses verurteilt und die Leitung schriftlich ermahnt (NR berichtete). Genau das aber scheint nun Grundlage für Söders Entschluss zu sein.
„Durch die Niederlassung von zwei neuen Kinderärzten am Krankenhaus in Pfaffenhofen bietet sich die Chance, eine ambulante kinderärztliche Notfallversorgung aufzubauen“, sagte der Minister auf Nachfrage der NR. Daraus lasse sich ein Modell mit rund fünf Betten für die stationäre Grundversorgung entwickeln. „Die Ilmtalklinik müsste nun einen entsprechenden Antrag vorlegen, der dann im Krankenhausplanungsausschuss behandelt und entschieden wird“, sagte Söder weiter. In diesem Gremium werde er für ein solches Modell werben.
Weigert: „Orden wird zum Spielball der Politik“
Besonders bitter für die Kliniken St. Elisabeth: Söder hatte eine Einladung von Generaloberin Schwester Maria Goretti Böck aus terminlichen Gründen abgesagt. Landrat Roland Weigert nennt genau dies einen „taktischen Fehler“. Mehr noch. Er vermutet hinter der unerwartet klaren Positionierung Söders Wahlkampfunterstützung für dessen CSU-Kollegen und Landratskandidaten Martin Wolf. „Der Orden ist zum Spielball der Politik geworden. Da kann ich nur den Kopf schütteln“, sagte Weigert.
Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer, ebenfalls CSU, die sich stets für die Kliniken starkgemacht hat, wollte sich zu den neuen Entwicklungen nicht äußern.
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