Ingolstadt Die Reaktion auf die Demonstration am Samstagvormittag kam postwendend: Trotz ergiebigen Schneefalls und eisigen Temperaturen marschierten etwa 500 Eltern und Schüler mit Transparenten vom Ingolstädter Paradeplatz zum Rathausplatz. Mit Sprechchören protestierten sie gegen die Überbelastung am reformierten achtjährigen Gymnasium. Bei der anschließenden Kundgebung stand dann plötzlich der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle unangemeldet und höchstpersönlich auf der Bühne, um die Reformen zu verteidigen.


Nachbesserungen reichen nicht aus
Während Spaenle detailliert auf die einzelnen Maßnahmen und auch die zahlreichen Nachbesserungen einging, hielten die Teilnehmer der Demo an ihrer Kritik des G8 fest und erneuerten ihre Forderungen. "Ich weiß nicht, was Sie für Zahlen haben", wies ein Schüler die Argumente des Kultusministers zurück. "Die Realität schaut anders aus." Eine Leidensgenossin der 10. Klasse klagte über die Stofffülle, die nur noch mit "Bulimie-Lernen" zu bewältigen sei.
Zu der Kundgebung hatte die Landes-Elternvereinigung der Gymnasien in Bayern (LEV) zusammen mit der örtlichen G8-Elterninitiative aufgerufen. Die Demo war Teil einer erneuten bayernweiten Protestwelle. Einen Tag zuvor waren in Regensburg knapp 1000 Schüler, Lehrer und Eltern auf die Straße gegangen. Den Protestierenden reichen die Zugeständnisse und Nachbesserungen der Politik nicht aus. Hubert Wermuth, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Elternbeiräte in der Region, forderte neben "mehr Lehrern und kleineren Klassen" eine unabhängige Expertenkommission, "ähnlich wie die Wirtschaftsweisen". Susanne Arndt vertrat den erkrankten LEV-Vorsitzenden Thomas Lillig und forderte in einem emotionalen Appell, dass die Lehrpläne "wirklich entschlackt werden". Außerdem mahnte sie Chancengleichheit für den doppelten Abiturjahrgang an.
Kultusminister Spaenle nahm die Anregungen mit ins Ministerium und lud die Elterninitiative nach München zu einem Gespräch ein. Die Demonstranten hörten sich die Ausführungen des Ministers geduldig an. Er verwies auf 300 zusätzliche Lehrerplanstellen und durchschnittliche Kursgrößen von gut 20 Schülern und Seminargrößen in der Oberstufe von um die 13. Aber nach Jahren der Auseinandersetzung steht es um das Vertrauen nicht zum Besten. Längst ertönt der Ruf, das Thema Bildung zur Chefsache zu machen. Mit Blick auf die Heimatstadt des Ministerpräsidenten sagte Arndt: "Lieber Herr Seehofer, greifen sie endlich ein."
Aufgelockert wurde die Kundgebung von Protestsängerin Barbara Clear und dem Hip-Hop-Trio Gamma A.K.M. mit Schülern vom Apian- und Katharinen-Gymnasium. Spaenle erntete neben Respekt für sein spontanes Kommen auch Buh-Rufe. Barbara Kaltwasser-Jeske, die Sprecherin der Ingolstädter G8-Elterninitiative, kündigte eine Fortsetzung der Proteste an. Ihr zufolge werden die Schüler noch vor den Osterferien erneut auf die Straße gehen.
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