Freitag, 22. September 2017

17. Mai 2017 00:34 Uhr

Literaturtage

Navid Kermani: Ein scharfer Beobachter

Humorvoll, intelligent, nachdenklich – warum die Lesung des preisgekrönten Autors ein Höhepunkt war Von Elke Böcker

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Navid Kermani (rechts) las bei den Ingolstädter Literaturtagen aus seinem aktuellen Buch „Sozusagen Paris“.
Foto: Elke Böcker

Der vielfach preisgekrönte Autor, der unter anderem 2014 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, ließ den Literaturabend im Kulturzentrum neun wie im Flug vergehen. Mit „Sozusagen Paris“, seinem aktuellen, bei Hanser erschienenen Roman, zieht Navid Kermani wieder einmal alle Register.

Die Geschichte einer Begegnung mit der ehemals großen Liebe lässt Raum für allerlei amüsante und kluge Spielereien rund um Paris, das Synonym für Liebe. „Sozusagen Paris“ – „eben nicht genau Paris“, wie Kermani im Gespräch mit Moderator Thomas Kraft erläutert, erzählt die Geschichte einer Nacht, aber auch die des Lebens. Was ist Liebe, was Verliebtheit? Im Märchen heißt es am Ende, dann wenn die Verliebten endlich vereint sind: Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute. Wollen wir wirklich wissen, was aus ihnen geworden ist?

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Kermani und seine Romanfiguren reflektieren ihre jeweilige Position, kommunizieren gleichsam mit dem Leser und mit dem vermeintlichen Lektor des entstehenden Romanes rund um die „Liebe“, die „Ehe“ und das Leben. Die Romanfiguren verlassen gleichsam den Roman, der Leser darf eintreten. Mit diesem literarischen Kunstgriff will Navid Kermani die ursprüngliche Erzähltradition von Literatur wieder aufgreifen, Räume für Gedankenexperimente schaffen und auch Reflexion über Literatur ermöglichen. Doch „Sozusagen Paris“ ist kein theoretisches Buch über Literatur, sondern ein lesenswertes, amüsantes Kleinod voller gedanklicher Frische. Ein überraschender Liebesroman, eine feinsinnige Eheanalyse, eine Sozial- und Gesellschaftsstudie – dazu noch spannungsgeladen und witzig. Man kann das Buch kaum aus der Hand legen, möchte mit dem Autor weitere spannende Gespräche führen und spürt einmal mehr die gesellschaftliche Bedeutung von Literatur beziehungsweise Kultur.

Oder wie der Autor meint: „Durchlässigkeit ist das, was Kultur ausmacht. Kulturen, die das nicht zulassen, sterben ab.“ Ein aussagekräftiges Statement für Toleranz und demokratische Diskussion.

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