Neuburg (xh) - Zerschmetterte Flaschenhälse, verpulverte Böllerteile, Reste von Raketen, verschossene Batterien, unzählige Papier- und Kartonfetzen - die Relikte der Silvesterparty lagen am gestrigen Neujahrsmorgen wüst an Neuburgs markanten Plätzen. "Nicht schlimmer als in den Vorjahren, aber genauso schlimm", schimpfte Josef Polli, der Leiter des Städtischen Bauhofs. Seine sieben Mitarbeiter staunten deshalb am 1. Januar nicht schlecht, als elf Jugendliche der Organisation "Ahmadiyya Muslim Jamaat" beim Saubermachen in aller Früh mit hinlangten.

Syeed Niaz, der Sprecher der muslimischen Gemeinde, erklärt: "Die Aktion läuft unter dem Motto der Integrationsarbeit und dem Leitsatz Waqar-e-Amal." Wörtlich übersetzt heißt das "Ehrenvolle Arbeit". Syeed kommentiert die Mitarbeit als "ohne Gegenleistung anderen zu dienen" und verweist auf die bundesweite Aktion. In vielen Städten der Republik wurden gestern die Reinigungsaktionen von Muslimen unterstützt.
Bereits um 6.15 Uhr in der Früh ging es auf dem Schrannenplatz los. Ausgerüstet mit Mülltonnen, Besen, Rechen, Greifzangen und Schaufeln langte die muslimische Gruppe zusammen mit den städtischen Mitarbeitern hin. Zu dieser Zeit sind am Schrannenplatz sowie am Donaukai noch einige verwunderte Kneipenbummler unterwegs. "So lange zu feiern und vor allen so viel Geld zu verpulvern, ist schon erstaunlich", sagte Syeed beim Blick auf die Überbleibsel der Silvesternacht.
Eigentlich sollte jeder seinen Müll wieder mitnehmen
Was dem Bauhofchef Josef Polli wieder überraschte, waren die Verunreinigungen am Karlsplatz und um das Renaissanceschloss herum. "Kaum auszudenken, wenn da was passiert wäre", sagte er und erinnerte an das Verbot für Feuerwerkskörper um die wertvollen historischen Baujuwelen. Auch scheinen die wenigsten Bürger zu wissen, dass man den Sondermüll, den man mit den Raketen, Krachern und Kanonenschlägen hinterlässt, eigentlich wieder mitnehmen muss.
Als Späher für den Winterdienst war er am Freitagmorgen schon um 4 Uhr morgens unterwegs und hat an vielen Straßen in der Stadt haufenweise Raketenüberbleibsel sowie Scherben gesehen. "Dafür sind aber nicht die Stadt, sondern die einzelnen Grundstücks- und Wohnungseigentümer verantwortlich", macht Polli klar. Währenddessen ist auf dem Schrannenplatz der Kehrwagen eingetroffen, und nach über drei Stunden Sonderschicht melden die städtischen Mitarbeiter: Alle markanten Plätze sind "besenrein".
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