Die Grußformeln "Hallo" und "Tschüss" sollen verbannt werden. Wie halten es Schulen oder Betriebe mit Kundenkontakt damit? Außerdem: Das sagt ein Knigge-Experte Von Gloria Brems

Das „Hallo“ verbannen will Barbara Mayr aus ihrer Schule in Burgheim nicht, aber sie hätte nichts gegen ein bisschen mehr Dialekt. „Ich liebe Bayern“, sagt sie, und deswegen hat sie erst in dieser Woche ihre Schüler angehalten, das bayerische Grüßen nicht zu vergessen. „Was gibt es Schöneres, als ’Griaß di’ oder ’Pfiad di’?“ Aber selbstverständlich dürfe der Dialekt nicht die Höflichkeit vermissen lassen.
Es komme immer auf die Situation an, erklärt Thomas Holatko. Der Neuburger ist Knigge-Experte und sagt: „Wer auf dem Oktoberfest oder an einem Stammtisch jemanden mit ’Guten Tag’ begrüßt, liegt genauso daneben, wie mit einem ’Servus“ zu einer Respektsperson.“ Hier sollte man doch besser beim „Grüß Gott“ oder „Guten Tag“ bleiben. Das „Hallo“ mag vielfach nicht verkehrt sein, allerdings nur wenn es sich um Freunde und vertraute Kreise handelt.
In den seltensten Fällen stehen Lehrer auf gleicher Höhe wie die Schüler stehen, sagt Holatko, deswegen sollte man in der Schule mit seinem Gruß die Hierarchie deutlich machen. Auch Kunden gegenüber sollte man mit dem Dialekt vorsichtig sein. Allerdings sind viele Firmenchefs der Meinung, dass man die bayerische Sprache nicht verleugnen sollte.
In der Raiffeisen-Volksbank in Neuburg wird viel Wert auf Höflichkeit gelegt. Vorstandsvorsitzender Werner Halbig sagt: „Dialekt ist in Ordnung, Hauptsache der Gruß ist respektvoll.“ Auch er verhehlt seine bayerische Herkunft nicht und findet das hochdeutsche „Tschüss“ ohnehin nicht schön, deswegen hat er nichts gegen ein freundliches „Pfiad Eana“.
Es komme eben auf die Art an, wie der Gruß gesagt wird. Dieser Meinung ist auch Gerhard Reinbold. In seiner Schule in Königsmoos schreibt er keine Grußformeln vor, denn oftmals ist ein fröhliches „Hallo“ mehr wert als ein missmutig genuscheltes „Guten Morgen“. Und wie sagt ein uraltes persisches Sprichwort: „Höflichkeit ist ein Kapital, das den reicher macht, der es ausgibt.“
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