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26. Juni 2010 06:13 Uhr

Vom Dijonsenf bis zur Tricolore

Neuburg Vor zwei Jahren umwehte italienisches "Dolce far niente" die Neuburger Altstadt, als das Volkstheater den Karlsplatz mit "Don Camillo" zur Po-Ebene umwandelte. Diesmal gilt an selber Stelle das Motto "Vive la France". Denn mit "D'Artagnans Tochter" entführt das Ensemble in die Seine-Metropole Paris und stimmt die Feinheiten bis auf's i-Tüpfelchen ab - und das auch außerhalb des Stückes. Von Barbara Würmseher

So zieren beim Premierenempfang gestern Abend Girlanden mit der Tricolore das Gewölbe des Fletztes, ebenso winkt die französische Flagge in Form von vielen kleinen Wimpeln aus Blumentöpfen. Und die Menüfolgen der Gastronomie orientieren sich ganz an Schlemmereien, die man bekanntlich "wie Gott in Frankreich" genießt. Elsässer Wurstsalat mit Dijon-Senfdressing, Flammkuchenbaguette, Vin de Pays und "Boef Bourguignon" etwa stehen auf den Speise- und Getränkekarten.

Illustre Gäste

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Zum Premierenempfang hieß Hausherr Oberbürgermeister Bernhard Gmehling die illustren Gäste im Rathausfletz willkommen, der - direkt an die Karlsplatz-Bühne angrenzend - fast schon Bestandteil der Theaterszenerie ist. Unter den Schauspielfreunden waren auch Bundestagsabgeordneter Reinhard Brandl und Bezirksrat Klaus Brems, Kommunalpolitiker aller Coleur, sowie zahlreiche Vertreter aus Schule, Kulturleben, Finanzwelt und Unternehmertum.

Als "Meilenstein im Veranstaltungskalender 2010" bezeichnete Gmehling die Inszenierung "D'Artagnans Tochter". Er blickte zurück auf die Entstehungsgeschichte der Ottheinrichstädter Freilichtspiele, die bekanntlich mit dem "Bayerischen Jedermann" über zehn Spielzeiten hinweg Erfolgsgeschichte geschrieben haben.

"Riskant" sei die Entscheidung gewesen, so der OB, mit dieser Tradition zu brechen und "ein gänzlich neues Stück auf die Bühne zu bringen". Doch der Erfolg ist dem Volkstheater treu geblieben: "Mit dem Werk 'Don Camillo und seine Herde' wurde die Herausforderung bravourös gemeistert - die Zuschauer waren offenbar bereit für Neues und restlos begeistert." Als "perfekte Wahl" stufte der Rathauschef auch "D'Artagnans Tochter" ein. Die imposanten Aufbauten am Karlsplatz, die gedrehte Tribüne, die Kulissen und die aufwendigen Technikaufbauten für Licht und Ton nötigen dem OB schon seit Wochen auf dem Weg in sein Büro Respekt ab: "Ich bin immer wieder beeindruckt, mit welch technischem Können hier ans Werk gegangen wird."

Über diese Rahmenbedingungen hinaus lobte Gmehling auch Besetzungsgeschick und schauspielerische Leistungen, hinter denen perfekte Körperbeherrschung und hartes Training stünden. Das Volkstheater sei ein "Vorzeigeverein", für den die Stadt Neuburg gerne auch Unterstützung leiste. 12 500 Euro Zuschuss hat sie zur diesjährigen Inszenierung geben - die laut Volkstheater-Pressesprecher Eberhard Spieß 150 000 Euro gekostet hat - sowie die Bereitschaft, mit 60 000 Euro Ausfallbürgschaft im Fall des Falles unter die Arme zu greifen. Mit einer Bitte an den Wettergott und einem herzlichen "Toi, Toi, Toi" entließ Gmehling das Ensemble in die Premiere.

Die Absicht des Volkstheaters formulierte Oberspielleiter Hermann Vief so: "Mit Bildern einer wundervollen Geschichte wollen wir unser Publikum verzaubern." Bei deren Umsetzung "frönen wir einer Leidenschaft, die viele Lebensbereiche umfasst", nämlich Bühnenbilder zu erstellen, Requisiten zu fertigen, Kostüme zu schneidern, Gesichter zu schminken, Licht- und Toneffekte auszubalancieren und vieles mehr.

Begleitet sei die verständliche Erwartung des Ensembles stets auch von einem "Beben und Bangen mit Blick zu den Wolken, aber auch mit einem Gefühl von Weite und Freiheit." Denn Freilichttheater sei so vieles - auch junges Theater, auch Naturtheater. Hermann Vief dankte der Stadt Neuburg, "die unserer Theaterarbeit mit ihrem kulturellen Herzen eine große Hilfe ist", für die Unterstützung des Projekts in dieser so beachtlichen Größenordnung

Freunde aus Finkenwerder zu Gast

Aus Hamburg-Finkenwerder kam eine Delegation angereist, für die Adolf Fick, der Vorsitzende des dortigen Kulturkreises Begrüßungsworte sprach. Er blickte auf die 20-jährige Freundschaft mit Neuburg zurück, die in vielerlei kulturellen Bereichen gepflegt wird und freute sich, zusammen mit seinen Mitreisenden bei "D'Artagnans Tochter" dabei sein zu können.

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