Freitag, 20. Oktober 2017

16. September 2017 06:00 Uhr

Neuburg

Wahlkampf ohne Erfolgsaussichten

Grünen-Kandidatin Agnes Krumwiede redet nicht lange um den heißen Brei herum: Sie hat quasi keine Chance auf eine zweite Amtszeit in Berlin. Stört sie das? Ganz im Gegenteil.

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Agnes Krumwiede, Direktkandidatin der Grünen im Wahlkreis Ingolstadt, will nicht lange um die Aussichtslosigkeit ihres Listenplatzes herumreden. Sie macht trotzdem Wahlkampf, indem sie das Wahlprogramm der Grünen unter die Leute bringt – nicht ohne ihre eigenen Ansätze zu vertreten.
Foto: Bastian Sünkel

Was hat eine Kandidatin zu erzählen, die eigentlich nicht gewählt werden kann? Weil die Aussichten auf der Landesliste aussichtslos sind, der Wahlkreis traditionell schwarz ist. Eine junge Direktkandidatin, die bereits vier Jahre im Bundestag gesessen hat, aber sich nun dafür entschieden hat, ihr Leben auf ihren vier Jahre alten Sohn, das Klavierspiel, das Malen zu konzentrieren?

Erstaunlich eindrucksvoll wie Agnes Krumwiede den Verlust des Bundestagsmandats zu ihrem Gewinn gemacht hat. Vielleicht, weil sie nicht wie Neulinge auf dem politischen Parkett den Druck verspürt, alles erreichen zu müssen. Vielleicht weil sie einfach glücklich mit der Entscheidung ist. Keine Fassade, eine alleinerziehende Mutter, Künstlerin, Überzeugungspolitikerin im Wahlkampf.

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Agnes Krumwiede, 40, Direktkandidatin der Grünen, Listenplatz 50, grüner Schal, der ihr die Erkältung erträglicher macht und für ihre Überzeugung steht: „Die Grünen sind die einzige Partei, die für mich wählbar ist.“ Sie hat an diesem Nachmittag ihren Parteikollegen Toni Hofreiter nach Neuburg begleitet. Der Solarpark im Ochsengründlweg wird besichtigt (wir berichteten), der an diesem verregneten Septembertag – wenn überhaupt – nur spärlich Strom liefert. Abends gibt es einen gemeinsamen Auftritt in Ingolstadt. Aber bis es soweit ist, hat sie sich unter die Zuschauer gemischt und überlässt ihrem Parteikollegen das Feld. Er spricht über: EEG-Umlage, Sonnensteuer, dezentrale Stromspeicher. Sie spricht über den Skandal, der sich vor unseren Augen abspielt.

Agnes Krumwiede verliert zum ersten Mal ihr Lächeln, als sie über Manching spricht. Der Staat nennt jene Einrichtung, die Flüchtlinge aus sogenannten sicheren Herkunftsländern beherbergt, „Ankunfts- und Rückführungseinrichtungen“. Die Grünen-Politikerin nennt es Abschiebelager mit skandalösen Unterbringungsverhältnissen. „Asylrecht kennt keine Einteilung in gute oder schlechte Bleibeperspektive“, sagt sie und zweifelt daran, dass dort Rahmenbedingungen für faire und rechtmäßige Verfahren bestehen.

Was macht man aber als Kandidatin, die sich auf einen aussichtslosen Posten befindet, ohne deren Stimme wahrscheinlich nie jemand ihren Wunsch erfüllen wird und öffentlich gegen Manching protestiert. „Im Wahlkampf mache ich Werbung für die Ziele meiner Partei.“ Privat erlebt sie jene in einer anderen Form, jene Zeit als abgewandeltes Déjà-vu, die sie vor ihrer einzigen Legislaturperiode im Bundestag (2009 bis 2013) erlebte. Sicher, ihr Sohn war damals noch nicht auf der Welt und der direkte Sprung vom Bundestag in die Kinderkrippe sei anfangs nicht leicht gewesen. Aber sonst: Hat sie sich wieder intensiver der Kunst zugewandt. Sie unterrichtet wie damals Schüler in neuem Umfeld – die ausgezeichnete Konzert-Pianistin hat sich allerdings vom Klavierspiel etwas distanziert. „Es fehlt einfach die Zeit“, sagt sie ohne Sentimentalitäten. Stattdessen malt sie nun verstärkt. Ihre erste Ausstellung hat die gebürtige Neuburgerin im hiesigen Rathausfletz präsentiert.

Aber vermisst sie Berlin gar nicht? Den Bundestag, die Stadt, Toni Hofreiter? Mit dem Toni habe sie allseits guten Kontakt, sagt sie. Aus der Entfernung lassen sich immerhin einige Entwicklungen beobachten, die sie in jene Zeit zurückversetzen. Initiativen, die sie mit dem Engagement einer aufstrebenden Jungpolitikerin vor allem in die Kulturdebatten eingebracht hat – und die nun von Kulturstaatsministerin Monika Grütters auch zu Zeiten der Großen Koalition durchgeboxt wurden.

Ein für Agnes Krumwiede besonderes Projekt, der „Fonds für Neue Musik“, wurde im September 2016 ins Leben gerufen. Davon sollen nun nicht nur klassische Musiker profitieren, sondern genreübergreifend. Rap, Metal, New Wave. „Das Konzept meines damaligen Antrags haben sie quasi Eins-zu-eins übernommen“, sagt sie und verabschiedet sich langsam. Der eigentliche Auftritt steht erst noch bevor.

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Ein Artikel von
Bastian Sünkel

Neuburger Rundschau
Ressort: Lokalnachrichten

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