Rennertshofen/Kabul Urlaub würde er dort nicht gerade machen. Und die Woche in Afghanistan war auch alles andere als Urlaub. Wolfgang Hill hat mit zwei weiteren Mitarbeitern der Firma DTB Donau Trockenbau aus Rennertshofen bei dem Einbau einer Kühl- und Heizdecke in einem Kinderkrankenhaus in Kabul geholfen.


"Schon als wir aus dem Flugzeug gestiegen sind, war uns klar: Das wird nicht leicht", erinnert sich Hill an die ersten Minuten auf afghanischem Boden. Kabul befindet sich knapp 2000 Meter über dem Meeresspiegel.
Probleme mit dem Atmen
"Die Luftfeuchtigkeit lag bei unter zehn Prozent. Man sieht den schlichten Flugplatz, die Sonne sticht vom Himmel bei über 30 Grad und man hat erst einmal Probleme beim Atmen." Der alles durchdringende Staub und das offene Kanalisationssystem tragen nicht gerade zu einer frischen Atemluft bei. "Außerdem wird dort alles verheizt, was brennt." Aber nicht nur mit der Luft hatten die deutschen Helfer zu kämpfen. "Das Essen war für uns Europäer sehr gewöhnungsbedürftig, zu trinken gab es nur Tee und Wasser", erzählt Hill.
Wolfgang Hill war zusammen mit Rüdiger Bleicher und Jürgen Kraskewitz nach Kabul zum Arbeiten gekommen. Die Trockenbauer sollten die Decken eines Kinderkrankenhauses neu verkleiden. Ein typischer Arbeitsauftrag an einem untypischen Ort. Das Kinderhospital in Kabul kann man getrost als Oase in einer unwirtlichen Welt bezeichnen. Nur: Es war bisher - ohne Heizung ausgestattet - nur die Hälfte des Jahres nutzbar.
Mit einem Klischee räumt Wolfgang Hill, geschäftsführender Gesellschafter der DTB, ordentlich auf: "Wir haben ganz normale und sehr hilfsbereite Menschen kennengelernt. Mit und ohne Bart. Nicht jeder, der dort unten herumläuft, ist ein Taliban." Der sprachliche Kontakt sei äußerst schwer gewesen. "Englisch spricht dort kaum jemand und Deutsch natürlich eh nicht."
In der wenigen Zeit, in der die drei außerhalb des Klinikgeländes unterwegs waren - beim Einwohnermeldeamt mussten sie sich registrieren lassen und einen halben Tag hat ihnen ein deutscher Helfer des Hospitals die Gegend gezeigt - fuhr dennoch immer ein ungutes Gefühl mit. Hill erinnert sich: "Militär überall. Alle Kreuzungen polizeilich bewacht. Ab und zu knallte es und man wusste, jetzt ist irgendwo eine Bombe hochgegangen." Einmal seien sie im Hotel Interconti zum Essen eingeladen worden, so Hill weiter. "Bis wir drinnen waren, mussten wir sechs Kontrollen passieren."
Ein großes Bedürfnis, sich in Kabul umzusehen, verspürte keiner der drei. Die Trockenbauer stürzten sich während ihres knapp zweiwöchigen Aufenthaltes in der afghanischen Hauptstadt vor allem in die Arbeit. Nach Einbau der Heizungsleitungen durch eine Immenstädter Heizungsbaufirma mussten die Decken und Rohrleitungen neu verkleidet werden.
Das Hilfsprojekt, das vom Rotary Club Immenstadt ausging, vom Kiwanis-Club Donauwörth aufgegriffen und von der Rennertshofener Firma DTB Donau Trockenbau GmbH unterstützt wurde, schafft dem Kinderkrankenhaus eine ganzjährige Nutzung.
Immer wenn bisher über Kabul der Winter hereinbrach, brachen für die kleinen Patienten des von der Georg Dechentreiter Wohlfahrts Stiftung geleiteten Irene Salimi Kinderhospitals dunkle Zeiten an. Die Räume waren nicht beheizbar. Nun hat das Krankenhaus eine moderne, solarbetriebene Heiz- und Kühldecke. Rund 3000 Quadratmeter dieser Spezialkonstruktion garantieren nicht nur Wärme im Winter, sondern auch Kühlung im Sommer. "Eine normale Heizung war schon deshalb nicht möglich, weil man in der Klinik eine Luftumwälzung weitestgehend vermeiden wollte." Durch die offenen Abwasserkanäle sei die Luft sehr fäkalienhaltig. Ideal war also eine Heizung und Kühlung, die auf Strahlung basiert.
Gemischte Gefühle
Im Juli wird Hill mit einem Mitarbeiter noch einmal einige Tage nach Kabul reisen und die Arbeiten dort beenden. Die Gefühle sind gemischt. Er hilft gerne, aber er ist jetzt schon froh, wenn er dann wieder zu Hause ist. Der Kiwanis-Club hat für das Projekt insgesamt 35 000 Euro gespendet. Die Arbeitsstunden, die sich inzwischen auf rund 10 000 Euro summieren, werden dazu von Kiwanis und der Donau Trockenbau spendiert. Dazu Gründungsmitglied Alfred Bircks: "Wir unterstützen Projekte, die Kindern helfen, in aller Welt. Und als Georg Dechentreiter dieses Hospital bei uns vorstellte, war uns sehr schnell klar, dass wir dabei helfen wollen."
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