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23. Februar 2010 05:46 Uhr

Waldorftanz der Liebe

Ingolstadt Da steht er auf der Bühne mit blauem und rotem Bändchen und tanzt dem Publikum die Liebe vor. Was hat denn das mit Kabarett zu tun? mag sich so mancher fragen. Doch genau das ist das Geheimrezept des promovierten Arztes. Von Claudia Vorndran

Eckart von Hirschhausen baut in Sekundenschnelle ein Vertrauensverhältnis mit den Zuhörern auf, so dass sie für jeden Spaß zu haben sind. Sei es ein Liedchen mit ihm zu schmettern, oder gar Intimstes aus dem Eheleben preiszugeben. Er steht mit so einer sympathischen Offenheit auf der Bühne, dass man ihm auch das Innerste anvertrauen würde. So entlockt er mit vorbereiteten Karten dem Publikum, die schlimmsten Angriffe aus den ehelichen Streitigkeiten, um sie dann geschickt in sein Kabarettprogramm einzubauen. Und darin liegt seine Stärke. Er ist ein Meister der Improvisation, seine Spontaneität ist ehrlich und charmant. Er tänzelt mit einer unglaublichen Leichtigkeit durch sein Programm, nie aufgesetzt oder auswendig gelernt wirken dabei seine Gags. Man könnte meinen, man säße mit ihm in einem Wartezimmer und er wäre der selbst ernannte Alleinunterhalter.

Die Ironie in seinen Geschichten ist gut dosiert und so darf er sich erlauben, dem Publikum den Spiegel vorzuhalten, ohne dass sie es als herbe Kritik empfinden. Irgendwie denkt jeder der Andere war gemeint. Seien es die überdurchschnittlichen Arztbesuche, das Abflauen der Sexualität in einer längeren Beziehung, der Penisneid oder die Tatsache, dass Männer ab 25 vor dem Fernsehen verfetten. Keiner fühlt sich so richtig angegriffen und selbst der Dickbäuchigste lacht unbekümmert mit.

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Dr. Eckart von Hirschhausen beherrscht den Spagat zwischen Tatsachen und deren Beleuchtung. So zerpflückt er Liebeslieder in ihre verlogenen Details, um sie dann neu beleuchtet wieder zusammenzusetzen. Bei ihm werden Ehepaare mit vielen Ehejahren zu Topfpflanzen, während kurzeitigere Ehen noch als Schnittblumen durchgehen.

Bei der seriellen Monogamie der Schnittblumen fallen ihm Schröder und Fischer ein, während Lotti und Helmut Schmidt für ihn ein eindeutiges Topfblumenpaar abgeben. Aber was im Endeffekt besser ist, bleibt offen. Er verkneift sich eine Wertung und wirkt trotz des hohen Informationsflusses nie belehrend, oder gar tadelnd.

Es macht einfach Spaß ihm zu zuhören und die Zeit vergeht wie im Flug. Man fühlt sich an die GuteNachtgeschichte der Eltern erinnert, die gar nicht lang genug sein konnte und man unersättlich sagen wollte: Bitte noch eine Geschichte, Herr Hirschhausen!

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