Frankfurts Trainer Benno Möhlmann im Interview vor dem Duell gegen seinen Ex-Klub Von Dirk Sing

Wenn der FSV Frankfurt und FC Ingolstadt 04 am Freitag (18 Uhr) in der 2. Fußball-Bundesliga aufeinandertreffen, geht es in erster Linie um drei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt.
Zusätzliche Brisanz verspricht diese Partie freilich aufgrund der Trainer-Situation beider Teams: Während FSV-Coach Benno Möhlmann noch bis November 2011 bei den Schanzern tätig war, arbeitete FC 04-Cheftrainer Tomas Oral von 2006 bis Oktober 2009 als verantwortlicher Übungsleiter bei den Hessen.
Wir sprachen mit Benno Möhlmann über die bevorstehende Begegnung mit seinem ehemaligen Verein aus Ingolstadt.
Herr Möhlmann, mit dem 2:1-Erfolg beim MSV Duisburg ist dem FSV Frankfurt am vergangenen Freitag ein Auftakt nach Maß geglückt! Wie wichtig war dieser Erfolg im Hinblick auf Ihre Arbeit mit dem Team in den kommenden Wochen?
Möhlmann: Nun, nachdem wir in den vorangegangenen vier Wochen mit den Spielern sehr viel gesprochen und trainiert haben, war es schon sehr wichtig, dass die Mannschaft eine ordentliche Leistung abgeliefert hat sowie für ihre Arbeit bestätigt und belohnt wurde. Für den Moment ist das natürlich sehr schön. Aber noch wichtiger ist die Tatsache, dass sich jeder bewusst ist, nach vorne zu blicken und sich auf die neue Aufgabe zu fokussieren.
Mit der Zielsetzung Klassenerhalt wurden Sie in der Winterpause vom FSV Frankfurt verpflichtet. Wie schwierig ist es grundsätzlich, einen Verein während einer Spielzeit zu übernehmen?
Möhlmann: Ich denke schon, dass es ein Vorteil ist, wenn man vor dem ersten Punktspiel noch einige Wochen mit den Jungs arbeiten kann – und genau das war ja bei mir der Fall! Aber ich würde schon sagen, dass die Aufgabe um so schwieriger wird, je später man kommt. Ok, als ich den FSV Frankfurt übernommen habe, waren ja schon zwei Spieltage der Rückrunde im alten Jahr absolviert. Das habe ich aber gewusst und für mich abwägen können. Und wenn ich mich dann dafür entscheide, ist das Ganze ohnehin kein Thema mehr. Meine Konzentration gilt dann ausschließlich der Mannschaft und dem Ziel, das wir gemeinsam erreichen wollen.
Der FSV Frankfurt lebt bekanntlich etwas im Schatten des „großen Bruders“ Eintracht Frankfurt. Wie wird der FSV in der Mainmetropole wahrgenommen?
Möhlmann: Der FSV Frankfurt ist ein Traditionsverein (im Jahr 1899 gegründet, Anm. d. Red.), der aber von seiner gesamten sportlichen Ausrichtung her sicherlich immer etwas kleiner als die Eintracht war. Gerade über diese Tradition hat der FSV in der Stadt Frankfurt eine gesellschaftlich gute Rolle eingenommen und wird daher auch voll respektiert und wahrgenommen – auch wenn man nicht über den großen Zuschauerandrang aus dem Umfeld wie bei der Eintracht verfügt. Die derzeitige Situation beim FSV erinnert mich etwas an die Zeit bei der SpVgg Greuther Fürth Ende der 90er-Jahre/Anfang 2000, als man drei, vier Jahre in Folge in der 2. Bundesliga spielte. Auch hier in Frankfurt muss es das Ziel sein, den Verein Schritt für Schritt in dieser Klasse zu etablieren, um so neue Zuschauerschichten zu gewinnen.
Lässt es sich denn als FSV-Trainer beim hohen Medienaufkommen in Frankfurt als „Nachbar“ der Eintracht etwas ruhiger arbeiten?
Möhlmann: Nein, überhaupt nicht. Die Medienpräsenz ist ja hier um einiges größer als beispielsweise in Ingolstadt. Und auch wenn die Eintracht in der Berichterstattung zumeist einen größeren Platz einnimmt, so wird schon ganz genau verfolgt und wahrgenommen, welche Leistungen der FSV Frankfurt abliefert. Entscheidend ist dabei sicherlich auch, mit welchen Voraussetzungen beziehungsweise Zielsetzungen man an den Start geht. Und bei uns geht es in dieser Saison einzig um den Klassenerhalt, was im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Vereins sehr wichtig wäre.
Am vergangenen Samstag haben Sie das 1:1-Remis des FC Ingolstadt 04 gegen Fortuna Düsseldorf im Audi-Sportpark verfolgt. Hand aufs Herz: Mit welchen Gefühlen sind Sie erstmals nach Ihrer Beurlaubung im November 2011 an die „alte Wirkungsstätte“ zurückgekehrt?
Möhlmann: Ich habe ja immer betont, dass ich sehr gerne in Ingolstadt gearbeitet habe und auch damals meine Arbeit gerne fortgesetzt hätte – zumal ich der Überzeugung war, dass wir mit Sicherheit die Kurve bekommen hätten. Das ist Fakt. Natürlich konnte ich am Samstag einige persönliche Kontakte wieder auffrischen, aber letztlich habe ich dort nur meinen Job gemacht: Unseren kommenden Gegner beobachtet und aufmerksam verfolgt, wie er spielt und ob er sich verbessert hat.
Wir beurteilen Sie das 1:1-Unentschieden des FC Ingolstadt 04 gegen Fortuna Düsseldorf?
Möhlmann: Ich habe ein Spiel auf Augenhöhe gesehen, bei dem die Ingolstädter sehr kompakt agiert und sich beim schnellen Umschalten nach hinten sicherlich verbessert haben. Letztlich war es ein gerechtes Ergebnis.
Sehen Sie es als Vorteil an, wenn man als ehemaliger Trainer die Stärken und Schwächen seiner Ex-Akteure bestens kennt?
Möhlmann: Nein, das glaube ich eigentlich nicht. Auch wenn es manchmal nicht so rüberkommt, schätzt man als Trainer die Stärken seiner Spieler hin und wieder höher ein, als sie tatsächlich vorhanden sind. Von daher weiß ich nicht, ob das so ein großer Vorteil ist, wenn man die Jungs gut kennt.
Würden Sie das Aufeinandertreffen am Freitag mit dem FC Ingolstadt 04 dennoch als „besondere Partie“ für Sie persönlich beschreiben?
Möhlmann: Nachdem ich mich ja beim FSV Frankfurt nach wie vor in der Anfangsphase befinde, geht es für mich in erster Linie darum, die Mannschaft weiter voranzubringen und gewisse Dinge, die zuletzt in Duisburg nicht so gut gelaufen sind, diesmal besser zu machen. Natürlich wollen wir dann nach Möglichkeit punkten beziehungsweise gewinnen. Und sollte uns das tatsächlich gelingen, dann habe ich die Zeit darüber nachzudenken, ob das für mich ein besonderes Spiel ist oder nicht. Im Vorfeld werde ich mich damit allerdings nicht auseinandersetzen.
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