Erfurt Der FC Ingolstadt schlitterte gestern Abend ein ordentliches Stück weiter in eine "kleine Krise", wie Trainer Michael Wiesinger befand. 1:2 (1:1) unterlagen die aufstiegsambitionierten Schanzer beim FC Rot-Weiß Erfurt und bleiben damit auf dem dritten Platz der 3. Liga hängen. "Für uns heißt es jetzt wieder aufzustehen und am Wochenende in Bremen zu gewinnen", sagte Wiesinger. Von Andreas Kornes

Bereits im Vorfeld hatte der Trainer für Wirbel gesorgt, indem er kurzfristig einige Wechsel vorgenommen hatte. Nach zuletzt eher schwachen Leistungen seiner Mannschaft strich er mit Markus Karl und Torwart Michael Lutz gleich zwei Stammkräfte aus dem Kader. Die beiden waren gar nicht erst mit in den Osten gefahren. Für Lutz stand der 37-jährige Routinier Marco Sejna im Tor der Schanzer. "Er hat einen guten Job gemacht", lobte Wiesinger. Ob dies ein dauerhafter Wechsel ist, ließ er aber offen. Auf die Position Karls vor der Abwehr rückte Neuzugang Patrick Mölzl. Auf der rechten Außenbahn kehrte Moise Bambara in die Mannschaft zurück.
Keine Konsequenzen für Ralf Keidel
Keine Konsequenzen hatte dagegen die Fundamentalkritik Ralf Keidels an seinen Mitspielern nach dem Samstagsspiel gegen Braunschweig (3:3). Wiesinger beließ es bei mahnenden Worten: "Das ist ausgeräumt. Beim nächsten Mal gibt es eine Geldstrafe", sagte er gestern.
Keidel spielte also und hatte sofort alle Hände voll zu tun. Erfurt begann aggressiv und offensiv, störte Ingolstadts Spielaufbau früh und konterte schnell. Der verdiente Lohn: Andreas Buchner wusste sich im eigenen Strafraum gegen Erfurts Chunly Pagenburg nur mit einem Foul zu helfen. Den fälligen Strafstoß, den man laut Sejna "schon geben konnte", verwandelte Rockenbach da Silva sicher zum 1:0 (10.).
Die Gäste benötigten 20 Minuten, ehe sie sich auf die Bedingungen im "Kühlschrank" Steigerwaldstadion eingestellt hatten. Vor allem die rechte Abwehrseite mit Keidel und Innenverteidiger Malte Metzelder bekam immer wieder Probleme mit den schnellen Erfurter Stürmern. Eher überraschend fiel der Ausgleich. Eine Ecke Stefan Leitls köpfte Metzelder nahezu unbedrängt zum 1:1 ins Tor (23.). "Das war verdient, danach haben wir die Kontrolle übernommen", sagte Wiesinger. Den Schlusspunkt unter die ersten 45 Minuten setzte Tobias Fink, dessen Schuss aber knapp am rechten Pfosten vorbei strich.
Für die zehn mitgereisten Ingolstädter Fans war dies allerdings für lange Zeit die letzte Torraumszene, die sie von ihrer Mannschaft zu sehen bekamen. Es dauerte bis zur 86. Minute, ehe Buchner den Ball das nächste Mal in Richtung Erfurter Tor beförderte, es aber verfehlte. Zuvor hatte sich das Spielniveau den rapide sinkenden Temperaturen angepasst. Hoch und weit lautete auf beiden Seiten die Devise. Da diese Pässe aber in der Regel nicht dort ankamen, wo sie hin sollten, entwickelte sich auf dem steinhart gefrorenen Boden ein unattraktives Kampfspiel, dessen Zentrum sich auf Höhe des Mittelkreises befand.
Entschieden wurde die Partie durch einen Ballverlust Mölzls im Mittelfeld. Der daraus resultierende Steilpass von Erfurts Manuel Bölstlers auf den gerade eingewechselten Carsten Kammlott war zu schnell für Ingolstadts Innenverteidiger Mathias Wittek. Er musste Ball und Gegner passieren lassen. Auf Höhe der Strafraumgrenze beförderte Letzterer dann Ersteren präzise an den rechten Innenpfosten, von wo die Kugel zum 2:1 über die Torlinie trudelte (81.).
Ingolstadt versuchte danach, Druck aufzubauen. Bis auf den bereits erwähnten Schuss Buchners, eine Einzelaktion von Demir (90.) und einen Kopfball Witteks (90.) sprang aber nichts dabei heraus. "Wir haben ob der Bodenverhältnisse einen Tick zu sehr auf die spielerische Karte gesetzt", zog Wiesinger sein Fazit. Erfurt dagegen habe einfacher und klarer gespielt, und "letztlich glücklich gewonnen".
FC Ingolstadt: Sejna - Keidel, Metzelder, Wittek, Fink - Mölzl - Bambara (85./Gerber), Leitl, Buchner - Hartmann, Neuendorf (75./Demir).
Tore: 1:0 Da Silva (10./Foulelfmeter), 1:1 Metzelder (23.), 2:1 Kammlott (81.).
Zuschauer: 3289.
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