Allerdings sind einige Regeln zu beachten
Nördlingen Bei einer Veranstaltung der Diabetes-Selbsthilfegruppe Nördlingen im Hotel am Ring referierte Dr. Dietmar Blechschmidt, Diabetologe und Chefarzt der Inneren Abteilung am Stiftungskrankenhaus. Sein Thema: „Diabetes und Reisen.“ Er berichtete zunächst über die Ernährung bei Urlaubsreisen. Fremde Speisen und Gerichte mit unbekanntem BE-Gehalt (Broteinheiten) können den Blutzucker ungünstig beeinflussen. Ebenso Reisekrankheiten wie Durchfall und Erbrechen, da hier ein Unterzucker drohen kann. Hier empfiehlt er gezuckerten Tee oder Cola, wenn nichts anderes mehr gegessen werden kann. Auch vermehrter Alkoholgenuss kann einen Unterzucker nachts oder am nächsten Morgen begünstigen. Häufiger den Blutzucker zu messen, kann daher angebracht sein. Auch wenn nichts gegessen werden kann, muss zumindest die Basalrate des Insulins gespritzt werden. Sonst droht eine Ketose (verbunden mit Azetonausscheidung), also eine starke Entgleisung des Blutzuckers mit sehr hohen Werten, was lebensgefährlich sein kann. Wichtig ist das Aufbewahren der mitgeführten Medikamente. Tabletten sind problemlos. Beim Insulin muss man aber aufpassen, dass dieses nicht zu heiß (über 40 Grad Celsius) und nicht zu kalt (unter 0 Grad Celsius) gelagert wird, da es sonst seine Wirkung verlieren kann und kaputt geht. Vor allem im Auto oder Flugzeug (Frachtraum) kann dieses Problem auftreten.
Es sollten vorsichtshalber die doppelte Menge an Medikamenten (Insulin, Blutzuckerteststreifen), die im Urlaub benötigt werden, und zwei Blutzuckermessgeräte mitgenommen werden. Die Aufbewahrung sollte in zwei verschiedenen Gepäckstücken erfolgen. Wichtig kann auch die Mitnahme einer ärztlichen Bescheinigung über den Diabetes, ein Reisewörterbuch und eine Auslandskrankenversicherung sein. In bestimmten Ländern sollte auf die dortigen Lebensgewohnheiten Rücksicht genommen werden. Das heißt zum Beispiel: Kein Spritzen in der Öffentlichkeit (dies könnte zu Missverständnissen führen) und freundliches, ruhiges Verhalten bei der Sicherheitskontrolle am Flughaben, wenn in dem betreffenden Land die mitgeführten Medikamente und Hilfsmittel unbekannt sind.
Zeitverschiebung beachten
Eine Rolle beim Diabetiker spielt auch noch die Zeitverschiebung bei Ost-Westreisen, da der Tag, bezogen auf die jeweilige Ortszeit, länger wird und im umgekehrten Fall bei West-Ostreisen, weil der Tag kürzer wird. Im ersten Fall empfiehlt der Referent, die Insulinlücke durch kleinere Insulingaben zwischendurch zu überbrücken. Im zweiten Fall muss das Insulin eventuell reduziert werden. Bei der Rückreise ist entsprechend zu verfahren.
Ein Diabetiker kann unter Beachtung der genannten Vorsichtsmaßnahmen daher genauso wie ein Nichtbetroffener verreisen. (RN)
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