Montag, 23. Oktober 2017

10. Oktober 2016 06:11 Uhr

Festakt

Auszeichnung für die Brückenbauer

Sigried Atzmon und der Freundeskreis der Synagoge Hainsfarth bekommen den Rieser Kulturpreis 2016. Preisspender Wolfgang Obel nennt sie „würdige Vorbilder“.

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Der Rieser Kulturpreis des Jahres 2016 ist an Sigried Atzmon und den Verein Freundeskreis Synagoge Hainsfarth verliehen worden. Auf unserem Bild von links: Hausherr Albrecht zu Oettingen-Spielberg, Laudator Professor Hanspeter Heinz, die ehemalige Vorsitzende des Freundeskreises, Ursula Seefried, Preisspender Wolfgang Obel, Sigried Atzmon, Landrat Stefan Rößle, der Vorsitzende des Vereins Rieser Kulturtage, Wulf-Dietrich Kavasch.
Foto: Bachmann

Wolfgang Obel hat die Bilder voller Hass und Verachtung gesehen. Die aus Dresden, vom Tag der Deutschen Einheit, als ein rasender Mob nicht nur Politiker, sondern auch Muslime wüst beschimpfte. Ein Abbild der Unkultur, eine Missachtung der Würde des Menschen sei das, schimpft der Architekt. Genau deshalb brauche es „würdige Vorbilder“, ruft Obel den Zuhörern im Festsaal des Residenzschlosses in Oettingen zu: „Wir brauchen keine Fehlgeleiteten, keine Extremisten. Wir brauchen Menschen wie Sigried Atzmon.“

Und genau sie bekommt zusammen mit dem Verein Freundeskreis Synagoge Hainsfarth an diesem Abend in dem prachtvollen Saal eine besondere Auszeichnung überreicht: den Rieser Kulturpreis 2016. Gespendet wird er von Architekt Obel. Er beinhaltet neben einer aufwendig gestalteten Urkunde auch ein Preisgeld von 3000 Euro. Dass die Wahl der Jury auf die richtige Person, den richtigen Verein fiel, darin sind sich an diesem Abend alle Redner einig.

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Hausherr Albrecht Fürst zu Oettingen-Spielberg, der den Empfang ausrichtet, sagt über Atzmon, sie habe sich angestrengt, gekämpft und engagiert, um das jüdische Erbe bewusst zu machen und die Konsequenzen für die Zukunft daraus zu ziehen. Der Vorsitzende des Vereins Rieser Kulturtage, Wulf-Dietrich Kavasch, berichtet von dem Hass, der der Preisträgerin und dem Verein bisweilen aufgrund der ehrenamtlichen Arbeit entgegenschlage. Sogar Morddrohungen habe Atzmon erhalten: „Sie bedarf unseres Zuspruches, unseres Schutzes und unseres Geldes.“ Kavasch fordert die Preisträger auf, sich nicht beirren zu lassen, weiter zu machen. Die Laudatio hält Professor Hanspeter Heinz, er hatte den Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg inne. Der Wissenschaftler sagt, die Synagoge in Hainsfarth vermittle einen Eindruck davon, was das Landjudentum einst bedeutet habe. Das Ensemble sei ein imposantes Denkmal.

Allein das Argument der Biologie

Heinz erinnert an das Leben der Juden im 19. Jahrhundert und an den Rassenwahn der Nationalsozialisten. Sie hätten nur die Biologie als Argument gelten lassen – oder anders formuliert: Selbst ein nationalsozialistischer Jude sei für die Nazis ein Jude gewesen. Damals seien Wunden geschlagen worden, die in Jahrzehnten nicht abheilen: „Am 9. November trauern die Juden um ihre Leute, die Christen um ihre verlorene Ehre.“ Es brauche Pioniere, die vorangehen würden, so wie Sigried Atzmon. „Doch wir müssen mithelfen.“

Die Preisträgerin selbst schmunzelt darüber, dass sie die Frauenquote unter den Preisträgern erhöht habe. Sie hat eine Botschaft: Integration und Toleranz seien das Fundament einer demokratischen Gesellschaft. Und wer die Zukunft gestalten wolle, der müsse sich auch der Vergangenheit bewusst sein. „Das Wissen um das jüdische Erbe muss in der Öffentlichkeit verankert werden.“ Schließlich gebe es immer weniger Zeitzeugen. Sich selbst sieht Atzmon als Brückenbauerin: „Ich wünsche mir einen toleranten Alltag und eine Lust am Miteinander.“

Viel Applaus gibt es an diesem Abend nicht nur für die Preisträger, sondern für den Chor der ehemaligen Synagoge Kriegshaber unter der Leitung von Kantor Nikola David. Er wurde am Klavier begleitet von Stephanie Knauer.

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Ein Artikel von
Martina Bachmann

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